Amen, Bruder!

Ich könnte Ralf Frisch bei fast jedem Satz in diesem Interview zustimmen. Er spricht mir aus dem Herzen.

Ich greife nur wenige Zitate raus, die mich besonders ansprechen:

Heute managen wir eine humanistische Kirche eigentlich mit drei Bibelstellen: mit der Goldenen Regel, dem Gebot der Nächstenliebe und dem Satz „Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.“ Dafür braucht man keine Bibel mehr, die dicker ist als eine Postkarte.

Frisch argumentiert hier gegen eine humanistisch entkernte Hermeneutik – also eine Auslegung der Bibel, die extrem unterkomplex geworden ist und am Ende nicht mehr wirklich etwas zu sagen hat. Und das ist sehr ironisch, wird doch normalerweise Theologen wie mir mit meinem „biblizistischen“ Ansatz vorgeworfen zu einfache Antworten zu geben. Das einzig komplexe Ringen in der historisch-kritisch beschnittenen Theologie findet aber heutzutage oft nur dort statt, wo man emotiv begründete Überzeugungen gegen klare Aussagen der Schrift verteidigen möchte.

Ich sollte einen Vortrag über „Weltfremdheit“ halten und wusste, dass man hören wollte, dass wir als Kirche weniger weltfremd sein müssen. Aber dann kam mir der Gedanke: Ich halte ein Plädoyer für die Weltfremdheit. Die Kirche ist nicht Welt. Sie ist mitten in der Welt, aber sie ist mitten in der Welt jenseitig. Sie ist also sozusagen Schnittstelle zwischen der Vertikalen und der Horizontalen.

Diese Aussagen sind für mich eng verwoben mit der Frage, ob die Kirche mit der Zeit gehen oder ob sie sich gegen den Zeitgeist profilieren soll? Ich beantworte das für mich damit, dass Kirche außerzeitig sein muss, dass sie aus der Zeit gefallen ist. Wir haben die eine, alte und doch so anders neue Botschaft, die wir verkündigen: Da ist dieser eine, gute, großartige Gott, der diese Welt ins Leben gerufen hat und dieser eine, gute Gott hat sich uns in Jesus Christus gezeigt und sein Leben für uns geopfert, damit wir mit ihm Frieden finden können, weil wir auf uns zurückgeworfen nur irre gehen werden in dieser Welt. Und uns sollte es nicht scheren, ob diese Botschaft und die Konsequenzen aus dieser Botschaft nun anstößig ist für die Einen oder ob wir Applaus bekommen von den Anderen. Wir predigen mutig diese gute Nachricht und lassen uns vor keinen Karren spannen und lassen uns auch nicht den Mund verbieten.


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