Barley: Pluralismuspflicht in sozialen Netzwerken

Unsere Justizministerin Barley setzt sich laut Tagesspiegel dafür ein, dass die Algorithmen in sozialen Netzwerken mehr „Pluralismus“ zulassen sollen.

Die Programme, mit denen etwa Facebook seinen Nutzern automatisiert ausgewählte Informationen bereitstellt, sollten laut Barley nicht allein darauf ausgerichtet sein, was einem gefällt. Es könnten auch andere Sichtweisen transportiert werden, „um einer kompletten Blasenbildung entgegenzuwirken“, sagte die Ministerin bei einer Diskussionsveranstaltung der Deutschen Public Relations Gesellschaft und des Tagesspiegels zu Hassreden im Internet und dem umstrittenen Netzwerkdurchsetzungsgesetz.

Das ist eine dieser Ideen, die für manche vielleicht sehr erhellend und empfehlenswert wirken, aber tatsächlich null durchdacht sind.

Die Algorithmen privater Unternehmen sollen demnächst vom Staat vorgegeben werden? Wie definiert der Staat dann Pluralismus? Wann ist ausreichender Pluralismus erreicht? Und gilt Pluralismus neutral für alle Ideen und Ideologien, die es weltweit gibt?

Ein paar Beispiele: Ich interessiere mich gar nicht für das Gedankengut bestimmter Verschwörungstheorien, wie die „Flache Erde“ Theorie oder die Chemtrail-Verschwörung. Dementsprechend sind auch die Algorithmen bei Facebook oder YouTube nicht darauf eingestellt, mir diese Inhalte zu präsentieren.

Müssen Facebook und YouTube mir dann in Zukunft im Namen des Pluralismus Beiträge und Inhalte dieser Verschwörungstheorien präsentieren?

Bekommen Abtreibungsbefürworter dann Videos von 1000plus präsentiert, damit sie nicht in ihrer Pro-Choice-Filterblase stecken bleiben?

Bekommen dann Gender-Ideologen Inhalte von Gender-Kritikern präsentiert, damit sie mit dem binären Geschlechter Gedankengut in Berührung kommen?

Ich denke kaum, dass Frau Barley so etwas im Sinn hatte, als sie ihren Vorschlag präsentierte. Ich vermute es geht ihr mehr um „gute“ Inhalte – also Inhalte in ihrem Sinne – die denjenigen präsentiert werden, die anders denken und sich gar nicht mit diesen „guten“ Inhalten beschäftigen wollen.

Und genau da liegt die Crux bei der Sache: Wer definiert, was diese „guten“ Inhalte sind? Es geht – so vermute ich – nicht um wirklich Pluralismus, sondern um Vermittlung der – aus Sicht bestimmter Personen – „richtigen“ Inhalte für diejenigen, die sich einfach standhaft weigern, sich mit diesen Inhalten zu beschäftigen.

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