Fleischhauer: Wie naiv wollen wir sein?

Mal wieder ein klassischer Fleischhauer zur Flüchtlingssituation: „Wie naiv wollen wir sein?

Daraus zwei Zitate:

Rund 70 Prozent derjenigen, die zu uns kommen, sind allein reisende, junge Männer. …Der Soziologe Armin Nassehi, der übrigens ein Befürworter von mehr Zuwanderung ist, spricht von einer „Maskulinisierung“ des öffentlichen Raums, auf die man sich beizeiten einstellen sollte. Man wird sehen, wie das aufgeklärte Deutschland reagiert, wenn das neue Eckensteher-Milieu die inneren Großstädte erreicht. Für eine Welt, in der schon ein zu offensiver Blick auf Po oder Busen einen sexuellen Übergriff markiert, verheißt das Wort „Maskulinisierung“ jedenfalls nichts Gutes. Möglicherweise wird sich in den grünen Vierteln das Verhältnis zum Flüchtling merklich abkühlen, wenn zutage tritt, dass er die Etikette im Umgang der Geschlechter nicht beherrscht. Zu den Paradoxien der Zuwanderung gehört, dass der Fremde links wie rechts der Mitte immer nur so lange als Fremder erwünscht ist, solange sein Fremdsein nicht zu sehr hervortritt.

Ich frage mich, wie die Linke in Deutschland reagieren wird, wenn die ankommenden Flüchtlinge überhaupt kein Verständnis für die Idee von Gender-Mainstreaming und sexualler Aufklärung mitbringen?

Die Bundesrepublik gilt jetzt in der arabischen Welt als das gelobte Land, wer es hier nicht schafft, mit dem muss etwas nicht stimmen. Wie also reagieren die Zuwanderer, wenn sie feststellen, dass ihre Ausbildung nicht ausreicht, um Fuß zu fassen? Dass es kein Haus gibt, wie viele fälschlicherweise glauben, sondern auf lange Sicht nur eine Pritsche in einer Notunterkunft?

Ein Freund von mir arbeitet in Flüchtlingslagern im Nahen Osten. Das Bild, das dort über Deutschland zirkuliert und die Leute antreibt, den langen Marsch in den Westen aufzunehmen, sieht so aus:

Deutschland hat uns alle eingeladen zu kommen. In Deutschland bekommt jeder Geld ohne zu arbeiten. In Deutschland hat jeder ein Haus. Das alles wird auch auf uns warten, wenn wir kommen.

Deutschland wirkt für die Menschen in ihrer Situation wie ein Schlaraffenland aus dem Märchen. Das das, was wir hier vorfinden, das Werk harter Arbeit und vieler Entbehrungen über Jahrzehnte hinweg ist, vergessen selbst wir in Deutschland mittlerweile. Wieso sollten wir erwarten, dass die Menschen aus einer ganz anderen Region der Welt die ganzen Zusammenhänge verstehen, wieso wir in der Lage sind, Geld für Menschen zu geben, die nicht arbeiten (Hartz IV) und das das nur solange möglich ist, wie die Mehrheit der anderen Menschen in Lohn und Brot stehen?

Wenn diese Menschen kommen und merken, dass auch Deutschland kein Schlaraffenland ist, dann kann die Stimmung schnell kippen.

Das heißt wieder nicht, dass wir nicht helfen sollen, aber es bedeutet weiterhin, dass wir uns sehr genau überlegen müssen, was für Signale wir senden und wie wir mit den Folgen unserer Handlungen umgehen.


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