Flüchtlinge und Religion

Momentan wird viel darüber diskutiert, ob man Flüchtlinge nach Ethnie und Religion getrennt unterbringen sollte. Der Chef der Gewerkschaft in NRW hat dazu gesagt:

„Die meisten Auseinandersetzungen haben keinen kulturellen, religiösen oder ethnischen Hintergrund, sondern sind der Unterbringungssituation geschuldet …“ (Spiegel)

Das ist Ausdruck eines ziemlich westlichen Denkens, wo Religion den gleichen Stellenwert hat wie die Liebe zu einem Fußballverein oder die politische Orientierung – hm, wahrscheinlich sogar noch einen geringeren Stellenwert. Das geht eher Richtung Lieblingsfarbe oder Lieblingsmarke: Etwas, worüber man unterschiedlicher Meinung sein darf und bei dem man gerne ein persönliche Präferenz haben darf, das aber keine große Rolle für das öffentliche Leben spielen sollte.

Das Problem ist: Die Flüchtlinge folgen keinem westlichen Denken. Für sie ist Religion nicht ein kleiner, privater Faktor unter anderen. Religion definiert, wer man ist. Und Religion definiert, zu welcher Gruppe man gehört und wer nicht dazu gehört. Religion ist nichts, über das man verschiedener Meinung sein kann. Es gibt eine richtige Religion, und es gibt falsche Religionen, die Platz machen müssen.

Für unsere postmoderne Gesellschaft ist das ein abstruser und rückständiger Gedanke. Es ändert aber nichts daran, dass viele oder sogar die meisten Flüchtlinge mit diesem Denken großgeworden sind. Und nur weil jemand vor einem Krieg flieht, heißt es nicht, dass es sich dabei automatisch um einen guten Menschen handelt, der ein Friedensstifter ist.

Wir können uns die Flüchtlinge nicht backen, wie wir sie gerne hätten. Wir müssen sie so annehmen und mit ihnen umgehen, wie sie sind. Ein Verweis auf das Grundgesetz allein – das wir uns übrigens erst nach einer Jahrzehnte dauernden Entwicklung selbst gegeben und akzeptiert haben – wird diese Prägung nicht von Heute auf Morgen verändern. Wenn wir mit dieser Situation nicht blauäugig und fahrlässig umgehen wollen, sollten wir nicht von unserer eigenen Prägung ausgehen, sondern die Menschen so ernst nehmen, wie sie sind und dann darauf reagieren.

Natürlich sollen wir weiter helfen, aber gleichzeitig auch nüchtern und realistisch mit den Herausforderungen und Problemen umgehen, die sich daraus ergeben.

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