Freie WC Wahl in den USA per Dekret

Seit einiger Zeit schwelt ein Konflikt ĂĽber ein Gesetz in North Carolina. In dem Gesetz wurde festgelegt, dass eine Person diejenige Toilette benutzen muss, die seinem biologischem Geschlecht entspricht.
In einigen Staaten wurde bereits freigegeben, dass jeder sich diejenige Toilette aussuchen darf, die seinem Gender – also dem sozialen, oder selbstgewählten Geschlecht – entspricht.
Jetzt ist die Nachricht durchgedrungen, dass Präsident Obama als Leitlinie vorgeben möchte, dass alle öffentlichen Schulen die freie Toiletten-Wahl zulassen sollen – wohl mit der möglichen Konsequenz, dass Gelder gestrichen werden, wenn das nicht geschieht.

Aus meiner Sicht ist das eine beunruhigende Entwicklung. Auch wenn jeder Einwand dagegen in unserer Zeit immer schwerer zu verstehen ist. Wie kann man jemandem irgendwelche Vorschreibungen ĂĽber irgendetwas machen? Erst Recht, wenn es um so etwas privates und intimes, wie das eigene Geschlecht geht?

Für mich stellen sich dabei aber ganz praktische Fragen: Wenn neben Toiletten auch Umkleidekabinen und Duschräume zur freien Wahl stehen, dann öffnet das dem Missbrauch dieser Freiheit Tür und Tor. Da sollte es keinen Anlass zur Naivität geben: Es wird genug Menschen geben, die diese Freiheit schamlos für die eigene Befriedigung ausnutzen werden. Wenn ich an meine Kinder denke, dann ist für mich klar: Das möchte ich nicht.

Die zentrale Frage hinter diesen ganzen Debatten über Gender und Sex aber ist die Frage danach, wer definiert, wer ich bin. Gibt es irgendetwas außerhalb meines eigenen Willens, dass mein Sein irgendwie festlegt und bestimmt? Oder bin ich das „Produkt“ meines eigenen Willens und Wollens.

Da in einer entchristlichten Gesellschaft jegliches Korrektiv einer über dem Menschen stehenden, absoluten und Sinn vorgebenden Realität fehlt, bleibt als letzte Instanz für den Menschen nur der Mensch selbst. Und da kein Mensch über einem anderen Menschen steht, bleibe ich am Ende nur mir selbst überlassen. Was für mich selbst eine erschreckende Vorstellung ist.

Das ist eine Überforderung des Menschen, der nicht dafür geschaffen ist, diese Entscheidung aus eigener Kraft zu treffen. Denn der Mensch ist dafür geschaffen, aus dem Gegenüber zu Gott definiert zu werden und von ihm her gespiegelt zu bekommen, wer er ist. Der Mensch, der sein Schicksal in die eigene Hand nehmen und ganz selbst definieren wollte, was gut und böse ist, ist derjenige, der aus Eden vertrieben worden ist.

Nietzsche hat schon vor über 100 Jahren erkannt, das diese Entwicklung kommen wird und er hat auch vorhergesagt, welche Konsequenz sich daraus für den Menschen ergeben müsste … nur das der tolle Mensch diesen Weg nie beschreiten können wird:

„Wohin ist Gott? rief er, ich will es euch sagen! Wir haben ihn getödtet, – ihr und ich! Wir Alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir diess gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was thaten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? StĂĽrzen wir nicht fortwährend? Und rĂĽckwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Giebt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? MĂĽssen nicht Laternen am Vormittage angezĂĽndet werden? Hören wir noch Nichts von dem Lärm der Todtengräber, welche Gott begraben? Riechen wir noch Nichts von der göttlichen Verwesung? – auch Götter verwesen! Gott ist todt! Gott bleibt todt! Und wir haben ihn getödtet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besass, es ist unter unseren Messern verblutet, – wer wischt diess Blut von uns ab? Mit welchem Wasser könnten wir uns reinigen? Welche SĂĽhnfeiern, welche heiligen Spiele werden wir erfinden mĂĽssen? Ist nicht die Grösse dieser That zu gross fĂĽr uns? MĂĽssen wir nicht selber zu Göttern werden, um nur ihrer wĂĽrdig zu erscheinen? Es gab nie eine grössere That, – und wer nur immer nach uns geboren wird, gehört um dieser That willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher war!“ – Hier schwieg der tolle Mensch und sah wieder seine Zuhörer an: auch sie schwiegen und blickten befremdet auf ihn. Endlich warf er seine Laterne auf den Boden, dass sie in StĂĽcke sprang und erlosch. „Ich komme zu frĂĽh, sagte er dann, ich bin noch nicht an der Zeit. Diess ungeheure Ereigniss ist noch unterwegs und wandert, – es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen. Blitz und Donner brauchen Zeit, das Licht der Gestirne braucht Zeit, Thaten brauchen Zeit, auch nachdem sie gethan sind, um gesehen und gehört zu werden. Diese That ist ihnen immer noch ferner, als die fernsten Gestirne, – und doch haben sie dieselbe gethan!“

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