Hebr 1,5

Hebr 1,5: Denn zu welchen Engeln hatte er gesagt: „Du bist mein Sohn! Ich habe dich heute gezeugt.“?
Oder auch: „Ich werde ihm ein Vater sein, und er soll mein Sohn sein.“?

Der Autor beginnt hier mit einer Auflistung von Zitaten aus dem Alten Testament, die sich bis Vers 13 erstreckt. Alle Zitate verfolgen das gleiche Ziel: Sie sollen den qualitativen Unterschied zwischen Jesus und den Engeln herausstellen.

Wenn man den Hebräerbrief durchliest, dann ist es auffällig, wie intensiv und nah der Autor sich an der hebräischen Bibel abarbeitet, um seine Thesen zu untermauern. Nur der Römerbrief und das Matthäusevangelium zitieren öfter aus dem Alten Testament als der Hebräerbrief (Quelle: Crossway).

Damit stellt sich aber auch die Frage nach dem Gebrauch des AT im NT. Es wird spannend sein, diese Frage beim Durchgang durch den Hebräerbrief im Hinterkopf zu behalten.

In Vers 5 z.B. zitiert der Autor zwei Stellen aus dem Alten Testament: Ps 2,7 und 2Sam 7,14.

Das zweite Zitat zuerst: Der Kontext von 2Sam 7,14 ist folgender: David möchte die alte Stiftshütte durch einen ordentlichen Tempel ersetzen. Durch den Propheten Nathan lässt Gott ihm ausrichten, dass nicht er, sondern sein Nachfolger einen Tempel bauen wird. In diesem Zusammenhang gibt er David aber die Zusage, dass einer seiner Nachkommen ihm auf den Thron folgen wird und dass der Thron Israels für immer einem Nachkommen Davids gehören wird.
Über den Nachfolger Davids sagt Gott dann in V.14:

„14 Ich will für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein. Wenn er sich verfehlt, werde ich ihn nach Menschenart mit Ruten und mit Schlägen züchtigen.“

Der Hebräerbrief zitiert den ersten Teil dieses Verses. Das Verhältnis Vater-Sohn dient hier als Metapher für die Beziehung zwischen Gott und dem neuen König.

In die gleiche Richtung geht auch Ps 2,7. Der Autor wird zwar nicht genannt, aber mit großer Wahrscheinlichkeit ist David der hier genannte König (Vgl. Apg 4,25). Auch hier wird das Verhältnis zwischen König und Gott dem von Vater und Sohn gleichgesetzt. Das Gott den König „gezeugt“ hat, meint, dass er ihn zum König eingesetzt hat.

Das ist der Hintergrund zu Hebr 1,5. Damit eröffnet sich auch das richtige Verständnis dieses Verses. Der Autor des Hebr möchte damit nicht aussagen, dass Jesus in seiner vormenschlichen Gestalt in irgendeiner Form zu irgendeinem Zeitpunkt durch Gott „gezeugt“ worden ist, aus Gott „hervorgegangen“ ist. Vater, Sohn und Geist existieren außerhalb unserer Zeitordnung, wo Begriffe wie „Anfang“ und „Ende“ keine Bedeutung haben. Vater, Sohn und Geist waren immer da; keiner war vor dem Anderen da; keiner ist aus dem Anderen hervorgegangen.

Sicherlich finden sich in diesen Zitaten auch Bezüge zur menschlichen Geburt Jesu durch Maria. Dadurch ist Jesus ins menschliche Dasein eingetreten und hat ein neues Kapitel seiner Existenz geöffnet.
Und erst dadurch konnte er überhaupt die Verheißung Gottes an David erfüllen – dessen Nachkomme er ja ist – und die Herrschaft der Davids-Linie für alle Zeiten in seiner Person sicherstellen.
Und genau diese Einsetzung – durch die Auferstehung (Apg 13,33) – als ewiger König auf Davids Thron ist es, die der Autor hier im Blick hat. Das werden auch die folgenden Verse deutlich machen.

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