Hebr 2,1

„Aus diesem Grund müssen wir mit der allergrößten Anstrengung an dem festhalten, was wir gehört haben, damit wir ‘von diesem Glauben an Jesus’ nicht wegdriften.“

Der Hebr leitet den neuen Abschnitt mit Διὰ τοῦτο (=aus diesem Grund) ein. Mit dieser Formel wird ausgesagt, dass das, was folgt, auf etwas davor gesagtem resultiert.

Διὰ τοῦτο bezieht sich entweder auf die direkt vorausgehende Aussage, nämlich, dass die Engel denen dienen sollen, die das Heil erben werden. Dann wäre die ausformulierte Aussage: „Da wir das Heil erben werden, sollen wir …“.

Oder es bezieht sich auf das ganze Argument in Kapitel 1. Dann würde die Aussage ausformuliert lauten: „Da Gott durch Christus gesprochen hat, der als Schöpfer, Herrscher und Erlöser über die Welt gesetzt ist, sollen wir …“.

Letzteres ist die wahrscheinlichste Option. ἀκουσθεῖσιν (=gehört haben) setzt eine Verbindung zur Rede Gottes durch Jesus Christus und die Propheten in 1,1f. Das ganze Kapitel ist darauf ausgerichtet zu demonstrieren, wieso das Reden Gottes durch Jesus von so großer Bedeutung und Einmaligkeit ist. Jesus ist nicht einfach nur ein weiterer Prophet oder ein Botenengel. Durch Jesus übermittelt Gott nicht einfach nur eine Botschaft, sondern Jesus selbst ist der redende und sich offenbarende Gott und er selbst ist die Botschaft, das Evangelium.

Da Gott selbst nun durch Jesus zu uns gesprochen hat, ist es wichtig, dass wir hören, was gesagt wurde, und zwar ganz genau hinhören und uns auch daran halten. Das ist keine Empfehlung, oder ein gut gemeinter Rat. Der Autor macht deutlich: Das genaue hinhören und das Festhalten am Gehörten ist eine Notwendigkeit (δεῖ).
Andernfalls droht uns, dass wir „wegdriften“. Ein Boot, dass nicht festgebunden oder nicht mehr aktiv gesteuert wird, wird von der Strömung des Wassers mitgezogen werden. Es wird sich von seinem Liegeplatz oder Ziel immer weiter wegbewegen.

So ist es auch mit dem Glauben: Wenn unser Glaube nicht an Jesus festgemacht wird und wir nicht immer aktiv auf Jesus zusteuern, dann driften wir Stück für Stück von ihm weg. Wir werden das am Anfang vielleicht gar nicht merken. Aber irgendwann werden wir das Ziel ganz aus den Augen verloren haben und uns einsam in den unübersehbaren Weiten eines Ozeans wiederfinden.

Das Mittel, das zu verhindern, ist das Hören und Tun des Evangeliums. Die Confessio Augustana definiert Kirche als Ort, an dem u.a. das Evangelium recht verkündet wird. Vom Hebr her müsste ergänzt werden, dass lebendige und gesunde Gemeinde dort zu finden ist, wo das Evangelium nicht nur gepredigt, sondern auch gehört und umgesetzt wird.
Dort, wo die Predigt das Trommelfell kaum beührt und erst Recht nicht in Kopf und Herz durchdringt, droht der schleichende Verlust der lebendigen Beziehung zu Jesus Christus.

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