Hebräer 1,10-12

Weiter sagt er über den Sohn:
„Du, Herr, hast die Erde von Anfang an auf ein festes Fundament gestellt, und der Himmel ist das Werk deiner Hände.
Sie werden untergehen, du aber wirst bleiben. Alles wird sich abnutzen wie Kleidungsstücke; wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen und du wirst sie auswechseln wie ein Kleidungsstück.
Du aber wirst der Selbe bleiben und deine Jahre werden nie vergehen.“

Nachdem der Hebr in den Versen 5-9 Jesus als Herrscher beschrieben hat (vgl. 1,2a) – im Gegensatz zu den dienenden Engeln -, wird Jesus in den V.10-12 als Schöpfer vorgestellt und als derjenige, der die Welt im innersten Zusammenhält. Jesus wird dabei als unvergänglich hervorgehoben, die Welt dagegen als vergänglich. Jesus wird – wie bei den Engel – erneut in Kontrast zu etwas Geschaffenem und Vergänglichen gestellt.

Der Hebr zitiert dazu wieder aus der LXX. Die Verse 10-12 sind eine in großen Teilen unveränderte Übernahme aus Ps 102,26-28 (Ps 101,26-28 in der LXX).
Nur an wenigen Stellen findet sich eine Änderung gegenüber unserer LXX-Überlieferung:
In der LXX steht das „Du“ (σὺ) zu Beginn des Textes an dritter Stelle, in Hebr 1,10 dagegen an erster Stelle. Lane, WBC, vermutet, dass diese Änderung dazu dient, um direkt an das Ende von V.9 anzuknüpfen. V.9 endet im griechischen Text auf σου „deine“.
In V.11 wird aus „Du wirst wechseln“ (ἀλλάξεις) die Aussage „Du wirst zusammenrollen“ (ἑλίξεις).
Und im gleichen Vers fügt der Hebr die Aussage „wie ein Kleidungsstück“ (ὡς ἱμάτιον) ein, die in der LXX an dieser Stelle gar nicht zu finden ist.

Das alles sind aber inhaltlich betrachtet nur geringfügige Änderungen.

In V.10 wird Jesus als Schöpfer des Himmels und der Erde beschrieben. Der zitierte Psalm verweist dabei auf 1Mose 1,1 zurück: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“. Der Hebr setzt durch das Zitat – vor allem wegen der Anrede „Herr“ (κύριε) – Jesus mit dem Schöpfergott gleich.
Über das Werk seiner Schöpfung wird gesagt, dass er die Erde auf ein festes Fundament gestellt hat. Und auch der Himmel – hier aufgrund der hebräischen Textgrundlage im Plural – ist von Meisterhand erschaffen. Der Hebr stellt also die hohe Qualität der Schöpfung heraus. Da war kein Pfuscher oder Amateur am Werk. Die Schöpfung ist solide Arbeit.

Er hebt die Qualität der Schöpfung hervor, um in den nächsten Versen gleich zu verdeutlichen, dass auch diese solide Arbeit nicht ewig bestehen wird.

In V.11a finden wir erneut einen Kontrast: Das Geschaffene wird untergehen, der Schöpfer aber wird bleiben.
In V.11b, 12a+b wird die Schöpfung mit einem Kleidungsstück verglichen.
Jede Kleidung ist ein Gebrauchsgegenstand, der sich durch die Benutzung ab-nutzt, wie es das Wort schon veranschaulicht.
Keine Kleidung hält ewig. So ist auch die Welt ein Gebrauchsgegenstand, der sich abnutzt. Ich denke zu keiner Zeit sollte uns das deutlicher vor Augen stehen als in unserer Zeit. Die Begrenztheit der Ressourcen und die Grenzen der Belastbarkeit der Welt werden uns immer schmerzlicher bewusst.

In V.12c wird mit der Formel σὺ δὲ (= Du aber …) der Unterschied zwischen Schöpfer und Schöpfung bekräftigt:
Jesus kennt keine Veränderung („Du bleibst der Gleiche“) und er ist der Endlichkeit nicht unterworfen („Deine Jahre werden nie vergehen“).

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