Lehrstück Pressearbeit

(Quelle: Parzany: „Haben Respekt vor jeder Überzeugung“ | © NDR 2016)

Ulrich Parzany wurde von einem Reporter des NDR Magazins ZAPP im Rahmen einer seiner Veranstaltungen zu verschiedenen aktuellen Themen befragt. Das Interview sollte wohl ursprünglich mit eingebunden werden in einen Beitrag über christliche Medien und die AfD. Es wäre übrigens auch interessant, diesen Beitrag aus medienstrategischer Sicht näher zu beleuchten.

Das Parzanys Interview nicht verwendet wurde, liegt wahrscheinlich daran, dass er keine passenden Soundbites geliefert hat.

Dieses Interview ist ein anschauliches Beispiel für Pressearbeit auf beiden Seiten des Mikrofons.

Die Strategie des Reporters ist sehr einfach zu durchschauen. Er stellt Parzany Fragen in vier Bereichen, in der Hoffnung, dass Parzany ein Zitat liefert, das ihn in die Nähe der AfD rückt. Das ist meine Vermutung, aber ich denke, der ganze Kontext des Interviews spricht für diese These.

Die vier Bereiche, auf die der Reporter eingeht, sind:

  1. Flüchtlingskrise
  2. Islamisierung und Kulturunterschiede
  3. Isolationstendenzen der Christen
  4. Mission unter Flüchtlingen

Wenn man den ganzen Beitrag über die christlichen Medien und die AfD bei ZAPP anschaut, dann wird sichtbar, wie man jede Schnittmenge zwischen beiden Gruppen besonders hervorhebt.

Auf der anderen Seite sieht man, dass Parzany das Mikrofon nicht scheut und geübt im Umgang mit solchen Fragen ist. Er verweigert keine Antworten und regt sich nicht über die Fragestellungen des Reporters auf. Er bleibt ganz entspannt. Er liefert keine einfachen, kurzen Sätze, die man aus dem Kontext schneiden könnte. Und er entzieht sich der mit den Fragen verbundenen Absicht, Christen in eine bestimmte Richtung zu schieben. Stattdessen transportiert er das positive Interesse eines Christen bei diesen Themengebieten:

  1. Alle, die Hilfe suchen und benötigen, sind willkommen. Es ist unsere christliche Pflicht ihnen zu helfen und nicht zuerst nach den Kosten und Mühen zu fragen.
  2. Er argumentiert vor allem aus der Sicht der Flüchtlinge, die sich in einem komplett neuem Umfeld wiederfinden, dass sie sich nicht selbst ausgesucht haben. Er betont, wie schwierig es für sie sein muss, sich in dieser neuen Kultur zurechtzufinden.
  3. Christen haben immer Bezug zu Menschen sehr unterschiedlicher Herkunft oder Hintergründe und das ist auch gut so. Sie sollen aber auch den Bezug zueinander in der christlichen Gemeinde pflegen, weil das eine stabile Basis für das eigene Leben und auch für die anderen Beziehungen ist.
  4. Er geht gar nicht primär auf die Flüchtlinge ein, sondern betont, dass es auch in Deutschland viele Menschen gibt, die nichts mit dem Glauben am Hut haben und haben wollen. Christen haben Respekt vor jeder Überzeugung, aber für Christen gehört dazu auch, dass man offen über den Glauben reden kann. Das gehört zum Christsein dazu.

Was ich sehr positiv finde, ist, dass der NDR das Interview mit Parzany trotzdem online gestellt hat, auch wenn man es für den ZAPP Beitrag nicht verwenden konnte oder wollte.

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