Spiegel: BER – Chronologie eines Scheiterns

Eine gigantische Reportage von Spiegel über das Scheitern der Großbaustelle Berliner Flughafen BER. Hinter der relativ lockeren Paywall von Spiegel. Man zahlt erst, wenn durch verschiedene Artikel ein Betrag von 5€ angesammelt worden ist.

Die Reportage ist diesen Umstand aber wert. Beim Lesen kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Und für mich ist mittlerweile klar: Dieses Projekt ist komplett zum Scheitern verurteilt. Der Flughafen wird nie eröffnet werden und nur der Stolz der Politik verhindert, dass man die richtige Konsequenz daraus zieht: Abbruch der Arbeiten, Abreißen und an einer geeigneten Stelle durch einen einzelnen Unternehmer neu errichten.

Alleine folgendes Zitat fasst das ganze Grundproblem anschaulich zusammen:

Im Vergleich zu Gerkans ersten Plänen soll das nun ausgeschriebene Gebäude 70.000 Quadratmeter größer und luxuriöser ausgestattet sein, mit Böden aus Jurakalkstein und Furnier aus afrikanischem Nussbaum. Unabhängige Gutachter schätzen die Baukosten auf 1,4 Milliarden Euro. Wowereit interessiert derlei Experzise nicht. Er fährt den Kurs: Allein können wir es besser. Und billiger.

Die Politik, empfänglich für den schnellen Applaus, gibt als weitere Maßgabe vor, nun müsse die heimische Bauwirtschaft an der schönen Maßnahme beteiligt werden. Das große Los des Generalunternehmerauftrags wird deshalb in sieben Lose zerstückelt und neu ausgeschrieben, damit auch kleinere Unternehmen zum Zuge kommen können. Damit verschärft sich erheblich, was auf großen Baustellen „Schnittstellenproblematik“ genannt wird.

Und dieses Problem wächst sich noch weiter aus: Selbst die sieben Auftragspakete sind für die „heimische Bauwirtschaft“ zu groß. Für die Lose vier und sechs etwa, „baulicher Ausbau“, finden sich in der Heimat keine geeigneten Bewerber, und deshalb werden die Vergabepakete noch einmal gestückelt. Am Ende ist es so: Aus dem Großau^rag „Bau eines Fluggastterminals“ wird nicht, wie anfangs geplant, ein Los für einen Generalunternehmer, es werden auch nicht sieben Lose, sondern es ist jetzt alles aufgesplittert in 40 Einzelvergaben: programmiertes Chaos.

Ein erfahrener Flughafenmanager kommentiert, dass damals „an die Stelle strenger privatwirtschaftlicher Zwänge die gemütliche Struktur eines vom Staat garantierten Unternehmens tritt“. Am Schluss fehlte es nur noch, „dass der Kleber zum Teppichboden einzeln ausgeschrieben wird“. Jedenfalls wird aus der einst bewährten Idee, dass ein öffentlicher Bauherr einen Generalunternehmer findet, ein vom Staat organisierter Basar.


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