Das L-Wort

Vor etwa einem Monat kam in den US Medien ein großer Skandal ans Licht. Es ging um den Lobbyverband der Filmindustrie (MPAA) und Google. Und zwar ist die MPAA der Meinung, dass Google zu wenig gegen Piraterie im Internet unternimmt. Und so hat die MPAA einen Plan ausgeheckt, um Google zu seinen Gunsten unter Druck zu setzen.

Der Plan ist aber aufgeflogen, weil der eMail-Verkehr zwischen den Beteiligten der Verschwörung von jemandem mit Zugriff darauf veröffentlicht worden ist. Ironischerweise wurden die Mails über Gmail verschickt – dem eMail-Angebot von Google.

Den ganzen Plan kann man u.A. bei Ars Technica nachvollziehen:

“New MPAA-Mississippi e-mail showcases anti-Google media attack plan | Ars Technica”

Schockierend ist die Dreistigkeit des Vorgehens. Nicht nur das ein Staatsanwalt bei der ganzen Angelegenheit involviert ist. Auch das an sich renommierte und seriöse Wall Street Journal sollte involviert werden. Denn das WSJ gehört zur News Corporation – und die ist über ihr Filmstudio 20th Century Fox auch an der MPAA beteiligt.
Der Plan war, ein Editorial im WSJ zu platzieren, dass Google in ein schlechtes Licht rückt. Dadurch sollte der Aktienkurs künstlich gedrückt werden, was wiederum die Aktionäre dazu antreiben sollte, ihrerseits Druck auf Google auszuüben, mehr gegen Filmpiraterie im Internet zu unternehmen – dafür wurden sogar gezielt einflussreiche Aktionäre bei Google angesprochen und geworben.

Wären diese eMails nicht öffentlich gemacht worden, dann wäre dieser Plan wahrscheinlich in die Tat umgesetzt worden. Und niemand hätte vermutet, dass die scheinbaren Einzelaktionen (Staatsanwalt, Presse, Aktionäre etc.) – die jede für sich nachvollziehbar gewesen wären – in einem größeren Zusammenhand zueinander stehen und bewusst insziniert worden sind.

Als PEGIDA vor einigen Monaten durch die Medien und Städte geisterte, da gab es eine ziemlich große Empörung darüber, dass Vertreter der Bewegung von „Lügenpresse“ gespochen haben. Das Wort war durch den Bezug zum dritten Reich belastet und die Wortwahl daher unglücklich. Sicherlich ist auch der pauschale Vorwurf der Lügenpresse unangemessen.
Aber der Skandal um die MPAA, die ohne erkennbare Zweifel die Beteiligung des WSJ eingeplant hat, zeigt, dass die Presse sehr wohl nicht einfach ein objektiver Hüter der Wahrheit und schlichter Beobachter der Wirklichkeit ist. Das WSJ stand in der Gefahr sich hier zumindest als „Lobbypresse“ einspannen zu lassen.

Das, was wirklich beunruhigen sollte, ist die Frage: Wieviele Fälle dieser Art hat es gegeben, bei denen die Wahrheit über die Vorfälle nicht an die Öffentlichkeit gekommen ist? Wie oft hat sich die Presse für wirtschaftliche und ideologische Ziele einspannen lassen – und ihren Nimbus der Seriösität und Objektivität für andere Zwecke verkauft oder freiwillig hergegeben?

Es wäre sehr fahrlässig, wenn man glauben würde, dass es sich hierbei um einen unglücklichen Einzelfall handeln würde. Mir selbst fallen mehr als eine handvoll Beispiele in den letzten Jahren ein, wo ich so meine Fragezeichen über die Absichten und Motive der handelnden Journalisten habe.
Ist die ganze Presse käuflich? Nein, natürlich nicht. Aber jeder Fall dieser Art strahlt auch auf die Arbeit derjenigen Journalisten aus, die eine saubere und gute Arbeit leisten. Und die Presse als Ganzes büßt durch solche Ereignisse an Glaubwürdigkeit an.

Und das ist sehr schade, denn in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt gibt es eigentlich nichts Wichtigeres, als eine ethisch saubere und qualitativ hochwertig arbeitende Presse.

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