Ein interessanter – und unerwarteter Weise sehr neutraler Artikel über eine seltsame Spezies Mensch: Der Homo Mater Hundertprozentzis – auch bekannt als die gemeine Hausfrau.Meine Frau hat sich bewusst und freiwillig für den gleichen Lebensweg entschieden und die Erfahrungen in dem Bericht sind auch die Erfahrungen meiner Frau.
📽 Logos: Look at the Book
Logos verschenkt jeden Monat ein Buch, Magazin etc. In diesem Monat gibt es 100 Videos aus der Serie „Look at the Book“ Serie. John Piper nimmt den Zuschauer mit hinein in die Auslegung ausgewählter Texte. Das ist eine großartige Einsicht darin, wie ein guter Ausleger mit der Bibel umgeht.
➡️ Logos March Madness
Lustiges Theologen-Battle bei Logos: Logos March Madness. Die Werke der gewinnenden Theologen werden immer stärker rabattiert.
➡️ Mike Bird antwortet Bart Ehrmann
Nach der Live Debatte am NOTBS über die Frage, wann Jesu Nachfolger das Verständnis entwickelt hätten, dass er Gott sei, geht die Debatte in den Blogs von Bart Ehrmann (hinter einer Charity Paywall) und Mike Bird weiter.
🗣 Interview mit Christoph Heilig über „God and the Faithfulness of Paul“
Ich habe in meinem Blog bereits auf den Aufsatzband “God and The Faithfulness of Paul” verwiesen. Darin setzen sich verschiedene Forscher kritisch mit dem monumentalen Werk “Paul and the Faithfulness of God” von N. T. Wright auseinander.
Ich hatte die Möglichkeit den Mitherausgeber des Aufsatzbandes – Christoph Heilig – für ein Interview zu gewinnen.
Kannst du etwas darüber erzählen, wie dieser Band entstanden ist und wie du in die Anfänge involviert gewesen bist?
Als ich 2012-2013 für einen MLitt in „Biblical Languages and Literature“ in St Andrews studierte, hatten wir ein Semester lang jede Woche im Forschungsseminar N. T. Wrights damals noch unveröffentlichtes Manuskript von „Paul and the Faithfulness of God“ zum Gegenstand. Jede Woche bekamen wir einen Ausschnitt zur Lektüre und im Seminar trug dann eine Person des Lehrkörpers oder der Nachwuchswissenschaftler eine vorbereitete Erwiderung vor, auf welche Wright dann wiederum eingehen konnte und wir im Anschluss Einzelfragen klären konnten. Ich fand dieses sehr konzentrierte, Einzelaspekte in den Blick nehmende, Vorgehen bei einem Werk solchen Umfangs und solcher Komplexität sehr gewinnbringend.
Als dann 2013 das internationale Treffen der SBL in St Andrews stattfand, gab es dort eine Einheit, in welcher verschiedene Exegeten kritisch Stellung zu Wrights Manuskript nahmen (diese Kritiken wurden zusammen mit einigen anderen im JSPL veröffentlicht). Das verstärkte bei mir den Eindruck, dass es hier wirklich viel zu diskutieren gab. Auf der anderen Seite stellte ich schnell fest, dass Rezensionen in Zeitschriften nur sehr bedingt einem solchen Werk Rechnung tragen können, da für eine wirklich vertiefte Analyse von zentralen Aspekten kaum Raum besteht. Eine solche Situation ist zu einem gewissen Grad natürlich frustrierend für Autor wie Kritiker gleichermassen. Daher regte ich an, einen Band zusammenzustellen, in welchem Experten zu verschiedenen zentralen Aspekten des Wright’schen Entwurfs Stellung beziehen könnten, um eine fruchtbare Diskussion anzuregen.
Was war deine Rolle als Mitherausgeber bei diesem Werk?
Ich habe mich – in Absprache mit dem Reihen- und den Mitherausgebern natürlich – um die grobe Konzeption gekümmert, also darum, welche Autoren wir einladen möchten und welche Vorgaben wir ihnen für die Gestaltung ihrer Beitrage machen möchten bzw. welche Freiheiten wir ihnen einräumen. Ausserdem beinhaltete dies, dass ich – als die Beiträge dann eintrudelten – sicherstellte, dass sie inhaltlich gut aufeinander abgestimmt waren – dass es also weder eklatante Lücken noch unschöne Dopplungen geben würde – und dass sie, bei aller individueller Verschiedenheit, doch einer gewissen einheitlichen Philosophie des Diskurses folgten und von der Qualität her auf vergleichbarem Niveau waren.
Mike Bird hat mit seiner grossen Erfahrung einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Projektes beigetragen, indem er stets wusste, wie auf bestimmte Schwierigkeiten und Herausforderungen zu reagieren wäre.
J. Thomas Hewitt schliesslich hat einerseits durch Feedback an die Autoren und als Kontaktperson zu diesen eine sehr wichtige Funktion inne gehabt und hat andererseits den Bärenanteil der Formatierungsarbeiten erledigt und ihm kommt das Verdienst zu, dass das Buch nun so schön geworden ist.
Viele Beiträge stammen von deutschen Theologen. Das Buch erscheint auch in der renommierten WUNT Reihe. Wie nimmst du die Rezeption der Arbeit von N. T. Wright unter deutschen Theologen auf? Und wie wirkte sich das auf die Entstehung dieser Aufsatzsammlung aus?
Generell lässt sich gerade in der Paulusforschung ein Auseinanderdriften kontinentaler, d.h. vor allem deutschsprachiger, und angelsächsischer Überlegungen beobachten. Am deutlichsten ist das wohl im Hinblick auf die „Neue Paulus-Perspektive“ und die „anti-imperiale“ Interpretation des Apostels – zwei Themen, die in Deutschland nur sehr verhalten rezipiert worden sind. Darüber hinaus ist die Wahrnehmung Wrights in den vergangenen Jahren nochmals als bemerkenswert gering zu bezeichnen. Man mag versucht sein, das mit dem Umfang seiner Arbeiten zu begründen – aber das ist wohl kaum zielführend, zieht man vergleichend die Seitenzahlen der Publikationen seines Kollegen Jimmy Dunn heran. Nun ist es natürlich so, dass sich Wright in vielen seiner Thesen von der Post-Bultmann’schen Forschung absetzt – aber auch damit steht er, selbst in vielen Einzelthesen, in einem recht breiten angelsächsischen Mainstream (das gilt auch für so profane Dinge wie die Verfasserschaft des Kolosserbriefes) und hätte ja durchaus auch im deutschsprachigen Raum Anknüpfungspunkte. Wrights Stil ist für deutsche Verhältnisse sicherlich ungewohnt und kann in der Übersetzung den Eindruck übertriebenen Pathos‘ machen. Will man die literarische Qualität des Wright‘schen Werkes geniessen, setzt das beim Leser natürlich eine gewisse Bereitschaft voraus, sich darauf einzulassen, nicht nur einen Forschungsbericht vor sich zu haben, sondern ein Stück weit auch Kunst (die bei Wright Methode ist) auf sich Wirken zu lassen. Persönlich empfinde ich das als erfrischende Abwechslung zur teilweise verquasten und mühselig lesbaren deutschen Literatur – aber da scheiden sich die Geister natürlich. Was die hermeneutische Relevanz des Schreibstils angeht, verweise ich auf Oda Wischmeyers Analyse und Wrights Antwort in GFP. 😉 Ein weiterer Faktor mag sicherlich sein, dass Wright über signifikante Teile seiner Karriere hinweg aus einem kirchlichen, bzw. zumindest einem nicht primär akademischen Kontext heraus agiert hat. Zum Verständnis trägt ausserdem bei, wenn man bedenkt, dass es die spezielle Beziehung von Dunn zu Hengel war, die ihm im deutschsprachigen Raum eine gewisse Sonderstellung hat zukommen lassen, sodass er – völlig falsch – in Teilen der Forschung quasi als alleiniger Urheber der NPP gilt. (Simon Gathercole hat auf diese verzerrte Wahrnehmung in einem hilfreichen Aufsatz hingewiesen: http://neukirchener-verlage.de/artikel/zeige/602.705/.) In gewisser Weise ist die Vernachlässigung Wrights daher nicht unbedingt ein Sonderproblem, sondern vielmehr Ausdruck einer durchgängiger sehr selektiven Rezeption angelsächsischer Forschung im deutschsprachigen Raum. (Dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt …)
Ein Ziel des Projektes war sicherlich auch, diesen Missstand zu beheben. Ich bezeichne diese Situation als solchen, weil er in meinen Augen für beide Seiten suboptimal ist: Wrights Arbeit zieht viel Kritik auf sich, gerade auch in den Details der Begründung. Trotzdem denke ich, dass grosse Synthesen wie die seine für den Fortschritt der Forschung von Bedeutung sind, gerade angesichts von immer grösserer Spezialisierung. Wie Theresa und ich in unserem Aufsatz zeigen, ist Wrights Ansatz im besten Sinne „abduktiv“. Das heisst: Er entwirft eine grosse Erklärung, die möglichst die Gesamtheit der Evidenz integrieren soll. Was dann wiederum vonnöten ist, ist die sorgfältige Analyse, ob a) tatsächlich die Details gut erklärt werden oder zu sehr vereinfacht wurde und b) die Hintergrundannahmen des Paradigmas selbst plausibel sind (etwa im Licht von zeitgenössischer Evidenz). Genau da setzt unser Band ein. Er soll damit folglich nicht einfach eine Brücke sein, welche die bisher unangemessen zurückhaltende Rezeption im deutschsprachigen Bereich ausgleicht; vielmehr ist der stattfindende Austausch komplexer. Zum einen bekommt Wright ja nicht nur Aufmerksamkeit, sondern ihm wird auch Kritik zu Teil. Letzteres ist ja durchaus auch für ihn selbst relevant. Wie seine „Response“ denke ich schön verdeutlicht, hat er gerade in Auseinandersetzung mit Beiträgen von deutschsprachigen Forschern erkennen können, welche Diskurse er bisher vernachlässigt hat, beziehungsweise auch nur, in welchen Punkten bisher Missverständnisse den Diskurs erschwert haben. Zum anderen ist eine solche Brücke zu Wrights Werk ja auch von einem gewissen Eigeninteresse für uns, da auf diese Weise eben auch geklärt werden kann, wo Wright Ansätze für weitere Forschung liefert und wo wir begründet nicht bereit sind mitzugehen. Ich denke, durch den Band wird deutlich, dass wir in der deutschen Forschung Wright zu sehr viel mehr Aspekten berücksichtigen müssen, als dies bisher geschieht. Um ein sehr naheliegendes Beispiel zu nennen: Es sollte nicht mehr passieren (ist aber schon vorgekommen), dass deutschsprachige Erörterungen zur NPP den Namen Wrights nicht einmal nennen – obwohl er doch wiederum der Namensgeber dieses Paradigmas ist. Aber auch viel grundlegender werden sich exegetische Arbeiten zu einzelnen Bereichen der paulinischen Theologie beispielsweise damit auseinandersetzen müssen, dass Wright die klassische Analyse anhand von systematisch-theologischen Topoi über Bord wirft und eine ganz andere, aus seiner Sicht frühjüdische, Systematik ins Spiel bringt. Man wird also nicht mehr einfach diskussionslos zur „Ekklesiologie“ oder „Soteriologie“ des Paulus schreiben können, als wäre es von vornherein klar, dass dies eine angemessene, nicht-anachronistische Kategorie für das Verständnis des Gegenstandes ist. Während Wright also durch den Band insofern „profitiert“, dass ihm mehr Aufmerksamkeit in der deutschsprachigen Forschung zukommen wird (sich diese also an angelsächsische Verhältnisse annähert), profitiert diese wiederum von seinen Anregungen, aber auch von der im Dialog mit seinem Werk verbesserten Positionierung in manchen eigenen Punkten sowie von einer verbesserten Diskursfähigkeit im internationalen Raum.
Auch wenn das über Deine Frage hinausgeht: Diese Überlegungen zur kritischen Evaluation des Beitrags Wrights verweist auch auf den dritten Beweggrund für den Sammelband, den ich gerne noch anführen würde. Neben, erstens, der Unzulänglichkeit anderer Formate (Rezension etc.) und, zweitens, der Kluft zwischen deutsch- und englischsprachiger Exegese kommt, drittens, hinzu, dass der Band in Dialog mit Wrights grossem Entwurf einen aktuellen Stand der Paulusforschung liefert. Er identifiziert auf internationaler Ebene umstrittene Thesen, wie sie bei Wright postuliert – oder vernachlässigt – werden und setzt sie in das Verhältnis mit anderen massgeblichen Beiträgen zu der Thematik. Jedes Kapitel liefert damit folglich auch, einerseits, einen Einstieg in zentralen Themen der aktuellen Diskussion und, andererseits, Stoff für zahlreiche weitere Forschungsarbeiten. Das macht den Band gerade für Nachwuchsforscher weit über die Auseinandersetzung mit Wrights Werk selbst hin relevant.
Wie war es mit so berühmten Theologen und erstklassigen Forschern zusammenzuarbeiten? Ist dir vielleicht ein Erlebnis besonders in Erinnerung geblieben?
Da könnte man viele Dinge nennen. Auch wenn das gegenüber der Leistung der anderen Autoren notwendigerweise etwas unfair ist, möchte ich hier kurz den grossen Eindruck exemplarisch herausgreifen, den die Arbeitsmoral der alten Garde auf mich gemacht hat, insbesondere die der beiden Bultmann-Enkel.
Zusammen mit Wayne Coppins habe ich den Aufsatz von Oda Wischmeyer zu Wrights Biblischer Hermeneutik übersetzt. Bei dieser detaillierten Beschäftigung mit dieser Arbeit habe ich ein gutes Gespür dafür entwickelt, wie viel Reflexion hinter den einzelnen Sätzen steckt. Was mich beeindruckt hat, ist einerseits die Sorgfalt, mit welcher Wischmeyer Wrights Werk gelesen hat – sie hatte ja die schwierige Aufgabe, „zwischen den Zeilen“ zu lesen und herauszukristallisieren, auf welchem Fundament diese vielen Seiten stehen – sondern auch die zu Grunde liegende Bereitschaft, die untersuchte Position in ihrer Eigenständigkeit ernst zu nehmen und auch den eigenen Standpunkt im Dialog stets selbsthinterfragend und explizit ins Spiel zu bringen. Ihr Beitrag gehört für mich zum Ehrlichsten, was in den letzten Jahren geschrieben wurde und sollte Pflicht sein für alle, die sich für die Verständigung im internationalen exegetischen Diskurs interessieren.
Auch den Beitrag von Peter Stuhlmacher kann man wahrscheinlich kaum genügend würdigen. Ich denke es ist nicht unfair gegenüber der Leistung der anderen, sondern stellt lediglich sein enormes Bemühen hervor, wenn ich vermute, dass er mehr Zeit auf Wrights Arbeit verwendet hat, als wir anderen Autoren. Von Anfang an war klar, dass es für ihn nicht in Frage kam, eine kurz herunter geschriebene Besprechung einzureichen: Wenn er die Aufgabe einer kritischen Perspektive auf Wrights Version der Neuen Paulusperspektive übernehmen würde, dann würde er diese auch mit der gebührenden Sorgfalt ausführen. Diese Verpflichtung zur Exzellenz aus Respekt vor dem Gegenstand ist eine Tugend, die ich persönlich als demütigende Mahnung für die eigene Arbeit mitgenommen habe.
Wer hat sich den wirklich großartigen Titel für den Band ausgedacht?
Ich bekenne mich schuldig … um ehrlich zu sein: wir brauchten eben einen Arbeitstitel. Aber je weiter die Arbeit fortschritt, desto klarer wurde es, dass er eigentlich sowohl Wrights Projekt, als auch die unterschiedlichen Beiträge in unserem Band ganz gut zusammenfasste.
Du hast bei Wright in St Andrews studiert – wie verhält sich diese Erfahrung zu deinen anderen Stationen?
Zusammen mit meiner Frau hatte ich einen Bachelor in Theologie an der FTH Giessen gemacht gehabt. Wir hatten uns dann umgesehen nach einem Programm, das uns erlauben würde stärker unserem bibelwissenschaftlichen Interesse nachzugehen.
Das Programm „Biblical Languages and Literature“ in St Andrews schien uns da sehr gut zu passen. Rückblickend muss ich sagen, dass wir es kaum besser hätten treffen können. St Mary’s College ist einer der besten Orte auf der Welt, um Theologie zu studieren. Das schlägt sich nicht nur darin nieder, dass sie regelmässig in den britischen Rankings auf dem ersten Platz landen, sondern betrifft auch viele schwer messbare Faktoren, wie die hervorragenden Arbeitsbedingungen, die sehr angenehme Atmosphäre, spezielle Angebote für postgraduierte Studenten etc. Im Vergleich zum bisherigen Studium beeindruckte mich vor allem das durchdachte didaktische Konzept, welches durch maximal zwei gleichzeitig stattfindende Fächer und viel Eigenarbeit Räume liess, um sich vertiefend in die Materie einzuarbeiten und eigene Forschung zu betreiben. Entsprechend konnte ich dort auch mein Buch „Hidden Criticism?“ schreiben, welches sich mit der anti-imperialen Paulusauslegung beschäftigt, wie sie unter anderem N. T. Wright vertritt. Überhaupt war der starke Fokus auf Forschung – und das Anliegen, fortgeschrittene Studierende an diese heranzuführen und einzubinden – eine völlig neue, sehr begeisternde, Erfahrung für mich.
Nach zwei Semestern Theologiestudium in Göttingen arbeite ich nun am Lehrstuhl von Jörg Frey in Zürich. Wir haben hier eine sehr rege Arbeitsgruppe in äusserst angenehmem Umfeld. Generell würde ich aber schon sagen, dass im deutschsprachigen Raum vieles vom Engagement der jeweiligen Professoren abhängt. Grossbritannien ist in der Hinsicht anders: die Fakultäten leben vom Geld, das die Studenten, insbesondere die Promovierenden aus den USA, mit sich bringen und deren Interesse ist wiederum, unter anderem, von den Rankings abhängig, welche zu einem signifikanten Teil auf der Zufriedenheit der Studierenden beruhen. Studierende sind daher eher Empfänger von Dienstleistungen und das erkennt man auf allen Ebenen an dem deutlichen Bemühen, ihnen etwas für ihr Geld zu bieten. Das mag einige negative Seiten haben, aber positiv ist auf jeden Fall die viel geringere Ausprägung des Hierarchie-Denkens, wie es an manchen (!) Orten im deutschsprachigen Raum verbreitet ist, und ein ernsthafte Hingabe für Exzellenz in der Lehre und der Betreuung.
Auch wenn die FTH in Sachen Forschung nicht mit den anderen genannten Fakultäten mithalten kann, finde ich aber durchaus, dass sie gewisse Qualitäten hat, für die sie sich nicht zu schämen braucht. Zum einen ist die Leidenschaft der Studierenden wirklich bemerkenswert. Es gibt keine Veranstaltung mit externen Gästen, die nicht gut besucht wäre und in welcher die Zuhörer nicht wirklich interessiert bei der Sache wären. Ich bereue es heute noch, dass ich den Besuch von Friedrich Avemarie zu Beginn meines Studiums verpasst habe. Darüber hinaus hat man als Student durchaus die Möglichkeit ein breites Spektrum an Meinungen kennen zu lernen und sofern man offen ist für die Arbeit, die an den Universitäten geleistet wird, kann man von dieser Vielfalt durchaus auch profitieren. Auch was die Lehre angeht, gibt es gewisse Vorzüge: Ich habe Griechisch, Aramäisch und Hebräisch noch bei Heinrich von Siebenthal gelernt. Die Sprachen werden an vielen Fakultäten im Vergleich sehr viel stiefmütterlicher behandelt. Eines wird zumindest garantiert nicht passieren: dass ein Student in Giessen abschliesst und glaubt, dass das punktuelle Schnipsen mit den Fingern am ehesten den Charakter des griechischen Aorists widerspiegelt … Da ich die Bedeutung der Methodik in der Exegese im Speziellen und der Theologie im Allgemeinen für sehr hoch ansehe, finde ich es rückblickend ausserdem bemerkenswert, dass sämtliche Proseminare von erfahrenen Forschern unterrichtet wurden und nicht, wie das sonst oft der Fall ist, von jungen Nachwuchswissenschaftlern, die kaum selbst wissen, wie sie ihr eigenes Projekt angehen sollen. Ob die FTH in mittelfristiger Zukunft Anschluss an den breiteren theologischen Diskurs finden wird, hängt in meinen Augen davon ab, inwiefern sie es schafft, die bestehenden Stärken als Alleinstellungsmerkmale weiter auszubauen und zugleich die, zweifelsohne ebenfalls bestehenden, Lücken zu schliessen. Das braucht Engagement und Offenheit zur Korrektur, ist aber vermutlich auch nicht unmöglich.
Woran arbeitest Du momentan in Deiner eigenen Forschung?
Die Verständigung innerhalb der neutestamentlichen Wissenschaft über Ärmelkanal und Atlantik hinweg steht ja auch hinter dem GFP-Projekt. In diesem Sinne arbeite ich momentan auch mit Wayne Coppins an der Übersetzung des Lukas-Kommentars (HNT) für die Baylor-Mohr Siebeck Reihe. Der erste Band soll dieses Jahr erscheinen.
Was meine eigene Forschung betrifft, so beschäftige ich mich in einem Schwerpunkt mit der Frage nach der komplexen Interaktion von Paulus mit seinem römischen Umfeld. Eine Studie, welche sich mit den methodischen Voraussetzungen und der generellen Plausibilität eines Paradigmas beschäftigt, welches annimmt, dass Paulus das römische Reich „versteckt“ kritisiert hat, ist letztes Jahr erschienen (Hidden Criticism). Nun habe ich gerade eine umfangreichere Arbeit fertig gestellt, welche sich ganz konkret damit beschäftigt, was es bedeutet, dass Paulus in 2. Korinther 2,14 anscheinend den römischen Triumphzug als bildspendenden Bereich für eine Metapher wählt. Die Arbeit wird in der zweiten Jahreshälfte in der Reihe „Biblical Tools and Studies“ bei Peeters erscheinen.
Darüber hinaus arbeite ich momentan im Rahmen eines SNF-Projektes an der Frage, inwiefern narrative Sub-Strukturen die Argumentation des Paulus‘ beeinflussen. Um das an einem Beispiel zu verdeutlichen: Wird die zentrale Passage Römer 6-8 dadurch erhellt, wenn man annimmt, dass Kapitel 6 dem Exodus nachempfunden ist, Kapitel 7 der Gesetzesgabe am Sinai und Kapitel 8 der Landnahme? Auch hier geht es wieder darum, Thesen die in der angelsächsischen Forschung viel diskutiert werden – auch wieder mit Wright als wichtigem Vertreter – einer kritischen Analyse zu unterziehen und sie methodisch sowie anhand der Primärquellen auf ihre Stichhaltigkeit und ihr Potential hin zu untersuchen.