Zensur bei YouTube

Auf Twitter habe ich das gefunden:

Gibt man in YouTube Kommentaren irgendetwas mit den Schriftzeichen 五毛 ein, verschwindet der Kommentar nach ein paar Sekunden. Ich habe es selbst getestet.

五毛 ist der Name einer Internet Propaganda Abteilung der chinesischen Regierung.

Bei YouTube scheint ein Zensurfilter für China weltweit zu laufen.

EZW Materialheft „Der Dan-Brown-Code: Von Illuminaten, Freimaurern und inszenierten Verschwörungen“

Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungen stellt eines ihrer Materialhefte kostenlos zur Verfügung, die Ausgabe 207 von 2010 mit dem Titel „Der Dan-Brown-Code: Von Illuminaten, Freimaurern und inszenierten Verschwörungen“.

Natürlich ist es kein Zufall, dass dieses Heft gerade jetzt zur Verfügung gestellt wird, blühen durch die Corona-Krise die Verschwörungstheorien wie Unkraut aus dem Boden.

Alleine der Artikel „Eine kleine Soziologie der Verschwörungstheorie“ Von Christian Ruch ist Goldwert. Dort erklärt der Autor mit knappen Worten, was Menschen dazu treibt, Verschwörungstheorien zu glauben und wie man diesen Menschen angemessen begegnen kann.

Einige Zitate aus dem Artikel:

Genau an diesem Punkt setzen Verschwörungstheorien an. Sie funktionieren in erster Linie als Erklärungsversuche, indem ein schwer verständliches, undurchschaubares Geschehen dadurch verständlich gemacht werden soll, dass man Schuldige ausfindig macht und sie benennt – im erwähnten Fall der Bankenkrise z. B. die Manager der Finanzinstitute oder irgendwelche Hedgefonds-Jongleure. Soziologisch gesprochen könnte man Verschwörungstheorien also als ein Verfahren zur Komplexitätsreduktion bezeichnen – oder anders gesagt: Man redet sich die eigentlich sehr komplizierten Verhältnisse einfach, indem man sich einen Sündenbock sucht.

Und als zweiter Faktor:

Verschwörungstheorien machen damit nichts anderes als Kontingenz zu negieren. Was ist damit gemeint? „Kontingenz“ ist neben „Komplexität“ der zweite Schlüssel- begriff der soziologischen Analyse unserer Gegenwart. Niklas Luhmann definierte Kontingenz als „etwas, was weder notwendig ist noch unmöglich ist; was also so, wie es ist (war, sein wird), sein kann, aber auch anders möglich ist. Der Begriff bezeich- net mithin Gegebenes (zu Erfahrendes, Erwartetes, Gedachtes, Phantasiertes) im Hin- blick auf mögliches Anderssein; er bezeichnet Gegenstände im Horizont möglicher Abwandlungen.“ … Festzuhalten bleibt jedenfalls, dass auch Kontingenz schwer erträglich ist, und so strebt der Mensch nicht nur nach Komplexitäts-, sondern auch nach Kontingenzreduktion – dies schon deshalb, weil das Leben von hoch kontingenten Faktoren mitbestimmt wird, die sich dem eigenen Einfluss entziehen und gerade deshalb so nur schwer akzeptiert werden können: Ob ich beispielsweise gesund bleibe, ist nur ganz begrenzt von mir und meinem eigenen Handeln beeinflussbar, denn es hängt von kontingenten Vorgängen in meinem Körper und im Falle einer Krankheit ebenso vom kontingenten Handeln der Ärzte ab, die ja bekanntlich auch einmal einen schlechten Tag haben können.

Über den Umgang mit Menschen, die an solche Theorien glauben, schreibt er:

Dass man angesichts einer solch anschlussunfähigen, da autologischen Schließung nicht mehr diskutieren kann, versteht sich von selbst. Wer nämlich Indizien für eine Verschwörung sehen will, der findet sie auch – genauso wie ein eifersüchtiger Ehe- mann überall Indizien für die Untreue seiner Frau finden kann, wenn er sie nur finden will. „Daher kann niemand auch wirklich verrückte Verschwörungstheorien widerlegen, denn sie alle haben eine seltsame Schleife in ihrer Konstruktion: Jeder Beweis gegen sie funktioniert nämlich gleichzeitig als Beweis für sie, wenn man die Dinge so sehen will. Daher überlebt die Pop-Dämonologie der Verschwörungstheorie jede Kritik, genau wie ihre Cousine, die Theologie“, schrieb der amerikanische Verschwörungsexperte Robert Anton Wilson. Argumentativ gegen Verschwörungstheorien anzukommen ist also meistens ein ziemlich schwieriges Unterfangen.

Tanz auf dem Vulkan

In den sozialen Medien macht sich langsam Unmut breit über die aktuelle Situation, mit den Kontaktsperren und Verboten. Es kommen die ersten Stimmen – die so natürlich zu erwarten waren – das ja doch nicht alles so schlimm ist, wie gedacht und alles übertrieben ist.

Es ist genau die Situation eingetreten, die zu erwarten war: Harte Maßnahmen führen dazu, dass die Epidemie nicht total ausartet und kontrolliert werden kann. Der Erfolg dieser Maßnahmen bringt die Kritiker auf den Plan, die das als Beweis sehen, dass alles übertrieben war.

Nach so vielen Wochen ist das verständlich und zu erwarten. Das macht diese Meinungen aber nicht richtiger.

In der Zeit ist ein Artikel erschienen, der deutlich macht, dass die vorsichtige Lockerungspolitik sozial-gesellschaftlichen zwar verständlich und vielleicht sogar nötig ist. Dass das aber mit Blick auf die Epidemie schwere Konsequenzen haben kann.

Der Grund dafür ist ein Buchstabe: R. Er steht für die Reproduktionszahl und gibt an, wie viele Menschen ein mit Sars-CoV-2 Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Noch Anfang März waren das hierzulande zwischen vier und fünf. Durch die strengen Maßnahmen gelang es, den Wert deutlich zu senken.

Das Problem dabei ist: Wir haben mit R nicht viel Spielraum, das betonte auch Angela Merkel auf der Pressekonferenz am Mittwoch. Denn selbst wenn jemand mit dem Coronavirus schon nicht mehr nur einen, sondern 1,3 andere ansteckt, wären wahrscheinlich bereits im Juni so viele Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert, dass das Gesundheitssystem massiv überlastet wäre. Das wäre das schlimmste Szenario.

Wenn wir jetzt also Lockerungen fordern und langsam einführen, muss uns gleichzeitig klar sein: Wenn die Epidemie wieder hart zuschlägt, werden wir wieder dort ankommen, wo wir jetzt gerade sind und wo wir gerne heraus möchten: im Lockdown.

Denn die Maßnahmen jetzt zu unterbrechen, nur um sie nach ein paar Wochen wieder aufzunehmen, das sei „der Bevölkerung wahrscheinlich schwerer zu vermitteln als eine Fortführung heute“, schreibt das Gremium der Helmholtz-Gemeinschaft. 

Es könnte ein dauerhaftes hin- und her der Maßnahmen geben, und keine geradlinige Kurve hin zur Normalität. Das ist eine Situation, mit der wir Menschen nur schwer zurechtkommen, weil es viel Unwägbarkeiten mit sich bringt.

Die Alternative dazu aber bedeutet, dass wir riskieren, die Epidemie voll durchschlagen zu lassen und das u.U. mit einer hohen Zahl an Toten. Die Fragen, die die Politik und wir als Gesellschaft uns stellen und bei der wir abwägen müssen, lautet: Auf welche Seite vom Pferd fallen wir im Ernstfall lieber?