Böhmerrang

Der Fall Böhmermann bewegt momentan die Medien und viele Bürger. Normalerweise ist das ein Umstand, über den Böhmermann erfreut sein dürfte. Darauf ist sein mediales Schaffen eigentlich ausgelegt, Aufmerksamkeit zu erzeugen und die Inhalte des Medienbetriebs mit festzulegen.

In diesem Fall dürfte die Sache wahrscheinlich etwas anders aussehen. Denn sein letzter medialer Coup könnte ihm zum Mühlstein werden. Nach seinem Beitrag über Erdogan, der nach kurzer Zeit vom ZDF offline genommen worden ist, droht im juristischer Ärger aus der Türkei. Der türkische Präsident Erdogan hat Strafanzeige gestellt. Im schlimmsten Fall drohen Böhmermann bis zu drei Jahre Haft für Beleidigung eines ausländischen Staatsmannes.

Damit steht die Regierung vor einer kniffligen Situation. Sie hat darüber zu entscheiden, ob sie die Klage Erdogans wirksam werden lässt. Tut sie es nicht, dann riskiert sie diplomatische Verwerfungen mit der Türkei – was sich negativ auf die Bestrebungen auswirken dürfte, eine stabile Lösung in der Flüchtlingsfrage zu finden.
Lässt sie die Klage zu, dann landet Böhmermann im schlimmsten Fall im Gefängnis. Für die türkische Regierung wäre das ein Triumph über die scheinbar grenzenlose Pressefreiheit der westlichen Welt, der sicherlich auch propagandistisch ausgeschlachtet werden würde.

Ich bin kein Rechtsexperte. Aber ich denke, die Regierung sollte das Risiko eingehen und die Klage an die Gerichte weiterreichen. Entweder hat Böhmermann in den Grenzen der Satirefreiheit gearbeitet, dann sollte er freigesprochen werden, egal welche Konsequenzen das in der Außenpolitik mit sich bringt. Und auch unabhängig davon, ob man seinen Beitrag geschmacklos findet oder nicht.

Hat er die Grenzen der Satirefreiheit überschritten, dann gehört das bestraft, auch wieder unabhängig von den Konsequenzen, die das mit sich bringen könnte. Das ist aus meiner Sicht die Logik einer freien und unabhängigen Justiz. Sie betrachtet die Sache selbst und prüft sie am Gesetz, ohne Einfluss von äußeren Umständen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Böhmermann sich vorstellen konnte, dass sein Beitrag so hohe Wellen schlagen würde. Auch wenn ich fest davon überzeugt bin, dass er auf einen sehr hohen Wellengang spekuliert hat. Sollte es zu einem Schuldspruch kommen, wäre das menschlich ein herber Schlag, unabhängig davon, was man über Böhmermann selbst denkt.

Ich bin auf die Antwort der Regierung sehr gespannt.

➡️ Evolution ist keine bloße „Theorie“

Ein Argument, das viele liebe Mitchristen gegen die Evolutionstheorie anführen, lautet: Es handelt sich dabei um eine bloße Theorie.

Der Gedanke dahinter geht dabei in die Richtung: Es handelt sich dabei um eine Vermutung, die noch nicht gesichert ist. Dementsprechend sollte sie auch nicht als eine gesicherte Erkenntnis im Unterricht etc. vermittelt werden.

Sean McDowell von der BIOLA University greift diese Argumentation auf und legt ihre Schwächen offen: Why evolution is not just a theory.

Als Professor für Apologetik in BIOLA steht McDowell dabei nicht in der Gefahr, ein Anhänger der Evolutionstheorie zu sein. Aber er plädiert dafür, sauber zu argumentieren und zu wissen, worüber man da eigentlich redet:

My point in this blog is not to discuss the merits of evolution. Rather, my point is that evolution should not be dismissed simply because its called a theory. Such a move is shallow and misguided. Many other scientific theories often have considerable support (e.g., consider the general and special “theories” of relativity)

Ich kann ihm da nur beipflichten. Wenn wir gegen die Evolutionstheorie argumentieren, dann sollten wir auch wissen, wovon wir eigentlich reden. Schlechte Argumente schaden uns nur selbst und beschädigen unsere Glaubwürdigkeit.

Segenspendeautomat

Ich bereite gerade eine Predigt über Josua sieben und acht vor. Dort geht es um die Eroberung von Ai, die leider im ersten Anlauf scheitert. Nach der Niederlage, kniet Josua war Gott nieder, und fragt, wie es dazu kommen konnte.

Bei der Vorbereitung der Predigt, ist mir aufgefallen, dass dieser Text sehr in unsere Zeit hineinspricht. In Kapitel sechs konnten wir darüber lesen, dass Gott dem Volk den Auftrag gegeben hat, Jericho zu erobern. Bei der Eroberung Jerichos hat Gott die meiste Arbeit für das Volk getan. Das Volk sollte an sieben aufeinanderfolgenden Tagen um die Stadt kreisen und am letzten Tag sieben mal um die Stadt ziehen und in die Posaunen blasen. Danach hat Gott dem Volk die Stadt quasi auf einem Silbertablett präsentiert.

Das nächste Ziel nach diesem Sieg war Ai. Aber in Kapitel 7 lesen wir nichts davon, dass Gott dem Volk den Auftrag dazu gegeben hätte, oder dass das Volk Gott um eine Bewertung seiner Pläne gebeten hätte. Das die Eroberung von Ai scheitert liegt primär daran, dass jemand im Volk sich gegen das Verbot hinweggesetzt hat, etwas von der Beute nach der Eroberung von Jericho für sich zu behalten.

Sehr deutlich ist aber auch eine gewisse Überheblichkeit beim Volk zu erkennen. Nicht nur, dass sie Gott gar nicht berücksichtigen bei ihren Plänen. Sie lassen auch einen Teil des Volkes zurück, da es sich scheinbar um eine leichte Aufgabe handelt.

Das rächt sich am Ende bitter, denn Israel erleidet eine herbe Niederlage mit hohen Verlusten.

Josuas Reaktion in dieser Situation ist sehr menschlich. Er beschwert sich bei Gott darüber, dass der sein Volk ins offene Messer hat laufen lassen.

Das menschliche daran ist, dass Josua im Grunde erwartet, dass Gott einfach das segnet und mit Erfolg krönt, was man selbst sich vorgenommen hat. Ohne das wir Gott in unsere Entscheidungsfindung überhaupt einbezogen hätten. Wenn es dann schief läuft, dann machen wir Gott Vorwürfe. Wie konnte er mich so im Stich lassen? Gönnt Gott mir das nicht? Hat er mich im Stich gelassen?

Mir begegnet diese Haltung immer wieder. Man möchte seine eigenen Wege gehen, aber Gott hat meine Entscheidung gefälligst zu segnen. Der Herr der Welt wird dann zu einem Segenspendeautomaten, einem Kammerdiener meiner Entscheidungen.

Nicht nur Israel hat damit Schiffbruch erlitten, sondern auch für uns wird das keinen guten Ausgang finden, wenn wir so mit Gott umgehen.

📚 HTA: Kommentar zum Philipperbrief

Die qualitativ hochwertige, evangelikal ausgerichtete Kommentarreihe „Historisch-Theologische Auslegung (HTA)“ erhält Zuwachs: Nachdem ende letzten Jahres bereits Eckhard Schnabels erster Band zum Römerbrief über die Kapitel 1-5 erschienen ist, wird jetzt Detlev Häußers Auslegung zum Philipperbrief veröffentlicht.

Mittlerweile ist die Reihe auf 10 Bände angewachsen. Ich freue mich auf einige noch zu erscheinende Bände von sehr interessanten Autoren.