💡 Bloglexikon: Frakturschrift

Frakturschrift, die – eine besondere typographische Darstellungsform für Buchstaben und Zahlen im Schriftverkehr. Sie wurde im 16 Jhrd – lange bevor es irgendwelche Nazis gab – breit bekannt gemacht und galt seitdem 400 Jahre lang als die „deutsche Schrift“.

Die Frakturschrift gerät immer wieder in Verruf, weil sie als angebliche „Nazischrift“ wahrgenommen wird. Das ist historisch ein sehr bemerkenswerter Rückschluss, wurde die Frakturschrift doch durch Adolf Hitler – Nazi No. 1 im dritten Reich – persönlich durch einen Erlass als undeutsch für den offizielle Amtsgebrauch aus dem Verkehr gezogen. Sie wurde sogar als „Judenschrift“ bezeichnet. Der Einfluss der Nazis im dritten Reich beendete die Ära der Frakturschrift und popularisierte die alternative „Antiqua“ oder auch „lateinische Schrift“ genannte Darstellungsform.

Die geschichtsbewusste Antifa sollte also in ihren Materialien auf diese Nazi-Schrift verzichten und bewusst auf die Vor-Nationalsozialistische Fraktur-Schrift zurückgreifen.

Dislaimer: Da alles um das dritte Reich ein heikles Thema ist, das schnell für Missverständnisse sorgen kann, möchte ich deutlich sagen, dass ich null Sympathien für Nazis oder völkisches Denken hege. Dafür aber umso mehr Sympathien für Geschichtsbewusstsein und Historie.

💬 Der Bedürfnis-Turm und der Aufstieg des Populismus

Ich lese gerade einen alten Klassiker der Kommunikationstheorie, Kommunikationstraining: Zwischenmenschliche Beziehungen erfolgreich gestalten von Vera Birkenbihl. Im ersten Teil greift sie auf einen anderen, alten Klassiker zurück: Die Bedürfnis-Pyramide von Maslow.

Dabei taucht folgendes Zitat auf:

Anhand dieses Denk-Modells erkennen wir zweierlei:
1. Alle menschlichen Bedürfnisse lassen sich in fünf Stufen gliedern. Jede Stufe beschreibt eine Kategorie von Bedürfnissen, deren Nicht-Befriedigung jedoch immer ein Defizit herbeiführt.
2. Die »oberen« Stufen können nur so lange realisiert werden, wie die Basis weiterbesteht. Werden einem Menschen die »unteren« Stufen weggezogen, so interessieren ihn die Bedürfnisse der oberen Stufe erst wieder, wenn er das Fundament neu errichtet hat. (Birkenbihl, Vera F.. Kommunikationstraining: Zwischenmenschliche Beziehungen erfolgreich gestalten (German Edition) (S.48-49). mvg Verlag.)

Vor allem Punkt 2 ist mir neu bewusst geworden und aus meiner Sicht von zentraler Bedeutung für die aktuelle politische Gesamtlage, nicht nur in Deutschland, sondern in großen Teilen Europas. Die europäische Schuldenkrise und die Flüchtlingskrise bedrohten das zweite Grundbedürfnis es Menschen: „Sicherheit und Geborgenheit“ und zu einem gewissen Teil auch das 3. Grundbedürfnis „Soziale Bedürfnisse“.

Die Kernbotschaft des politischen Populismus greift diese zwei Grundbedürfnisse auf und verspricht, sie zu befriedigen (ob die Ansätze realistisch und umsetzbar sind ist dabei nebensächlich). Überwiegend ist von Sicherheit die Rede (die Sicherheit des Gewohnten und bekannten, die Sicherheit des Arbeitsplatzes, die Sicherheit auf den Straßen und in den Häusern etc.). Aus Sicherheit entsteht Geborgenheit.

Solange die politischen Verantwortungsträger diese beiden Grundbedürfnisse nicht überzeugend ansprechen und befriedigen, solange wird der Populismus auf fruchtbaren Boden fallen. Und solange diese beiden Grundbedürfnisse nicht befriedigt werden, solange ist der Bürger gar nicht bereit und willens, andere große politische Konzepte und Visionen einer besseren Welt zu hören und sich mit ihnen zu beschäftigen.

Online Plattform Agent*in wird weitergeführt

Die Heinrich-Böll-Stiftung hatte ihre umstrittene Wiki Plattform „Agent*in“ nach kurzer Zeit wieder vom Netz genommen. Sie wurde bekannt als Online-Pranger, weil dort Einträge über vermeintlich anti-feministische und anti-gender orientierte Personen und Institutionen gesammelt werden.

Einer der Redakteure der Plattform hat jetzt angekündigt die Plattform an anderer Stelle weiterführen zu wollen:

Der Soziologe Andreas Kemper kündigte jedoch an, die Redaktion wolle „Agent*In“ eigenständig weiterbetreiben. „Wir werden das Projekt nun in einer überarbeiteten Form fortsetzen“, sagte der Aktivist laut der Szene-Nachrichtenplattform queer.de.

Und weiter heißt es dann:

So sollten die Einträge nicht mehr als Liste dargestellt werden – diese Kritik habe die Redaktion „sehr ernst genommen“.

Wie gut, dass die Redaktion den Hauptkritikpunkt an der Plattform so gut erfasst hat und dieses zentrale Problem beheben möchte. <\Sarkasmus>

💬 Definition von Exegese

Ziel der Exegese ist es, die ursprüngliche Textabsicht für die damaligen Hörer/ Leser reflektiert zu erheben, um zu einer sachgemäßen Übertragung auf heute zu gelangen.

Walter Hilbrands, „Der biblische Schöpfungsbericht in Genesis 1“, in: Genesis, Schöpfung und Evolution.: Beiträge zur Auslegung und Bedeutung des ersten Buchs der Bibel, SCM, 2017.