Youtube Kanal „glaubendenken“

Heute wurde ein neuer YouTube Kanal unter dem Namen „glaubendenken“ freigeschaltet. Dort findet sich bereits eine Auswahl an Videos zu verschiedenen Themen. Aktuell sind es vor allem Vorträge, die an anderen Stellen bereits veröffentlicht wurden. Die aktuelle Auswahl der Redner und Themen deutet darauf hin, dass hier eine Alternative zum Worthaus geschaffen werden soll. Wenn das der Fall ist, dann kann ich das nur begrüßen.

YouTube: Glaubendenken

Theologie an der Weggabelung

Dieser Tweet von Johannes Traichel hat mich dazu gebracht, über etwas nachzudenken, was mich immer wieder bewegt hat.

In dem Zitat von Ratzinger werden Auferstehung und Jungfrauengeburt als Prüfstein für den eigenen Glauben an Gott hervorgehoben. Es ist verständlich, dass Ratzinger diese zwei Ereignisse im Leben von Jesus besonders hervorhebt, markieren sie doch das außergewöhnliche Wirken Gottes einerseits am Anfang und andererseits am Ende des Lebens und am Anfang des erneuerten Lebens von Jesus.

Wenn Ratzinger die Frage nach Gott auf diese zwei Ereignisse herunterbricht, so sind Jungfrauengeburt und Auferstehung nur Stellvertreter für ein grundlegenderes Thema.

Meine Beobachtung ist, dass es zwei grundlegende Kategorien von Theologen gibt: Es gibt die Einen, für die alle metaphysischen Themen nur ein Chiffre für innerweltliche Phänomene sind – der in meinen Augen klassische Vertreter dieser Kategorie ist Bultmann. Und es gibt die Anderen, für die die metaphysische Sphäre eine Realität ist.

Ich bin der Überzeugung, dass jeder Theologe einmal vor einer Weggabelung steht und sich bewusst oder unbewusst entscheiden muss, welchen dieser beiden Wege er beschreiten will.

Die Entscheidung, die man dann trifft, hat weitreichende Konsequenzen. Ist die metaphysische Sprache der Bibel nur eine Chiffre für innerweltliche Phänomene, dann gibt es keine Wunder und dann gibt es kein übernatürliches Wirken Gottes in dieser Welt. Dann sind auch Jungfrauengeburt und Auferstehung nur Chiffren und Symbole, die eine Erfahrung beschreiben oder Metaphern sind, aber keine Realität.

Glaube ich aber daran, dass es eine übernatürliche Wirklichkeit gibt, die in unsere Welt hineinwirken kann, dann ist theoretisch alles denkbar und möglich. Dann sind nicht nur Jungfrauengeburt und Auferstehung möglich, sondern auch Heilungen, Entrückungen, Inspiration oder die Sieben-Tage-Schöpfung.

Die Grundfrage lautet daher: Glaube ich daran, dass Gott auf eine übernatürliche Weise in dieser Welt wirken kann, oder glaube ich das nicht?

Wenn ich es nicht glaube, dann muss ich alles, was in der Bibel über diese Art des Wirkens Gottes steht, neu bewerten und auslegen.

Glaube ich es aber, dann öffnet sich ein unendlicher Raum an Möglichkeiten. Denn wieso sollte das Eine dann möglich sein, das Andere aber nicht? Wieso sollte ich Gott zutrauen, dass er Jesus auferstehen lässt, ihm aber nicht zutrauen, dass er ihn durch eine Jungfrau auf die Welt kommen lässt? Wenn Gott auf wundersame Weise heilen kann, wieso kann er dann Menschen nicht auf eine besondere Art und Weise dafür ausrüsten, uns seine guten Gedanken durch die Inspiration zuverlässig zu vermitteln?

Irritiert bin ich vor allem über die Theologen, die zwar grundsätzlich offen sind für das Wirken Gottes in dieser Welt, dann aber hier und da ihre Anfragen haben, ob das nun tatsächlich wirklich so geschehen ist. Ich kann verstehen – auch wenn ich vielleicht anderer Meinung bin – wenn man anmerkt, dass man den Text, in dem ein Wunder beschrieben wird, nicht für authentisch hält. Aber ich kann schwer verstehen, wenn man anfragt, ob man dieses übernatürliche Wirken wirklich Gott „zutrauen“ kann. Öffne ich die Tür für die metaphysische Realität, dann ist die Grenze für das, was von Gottes Seite möglich ist, ausschließlich der Wille Gottes selbst.

Rep. John Deberry Jr. speech on race and protest

Unglaublich starke und bewegende Rede eines demokratischen Abgeordneten aus Memphis über die Rassenproteste in den USA.

Die Veränderung, die wir als Ergebnis sehen wollen, muss sich in der Art und Weise widerspiegeln, wie wir versuchen, dieses Ergebnis herbeizuführen

Sektenkeule

Die Definition einer christlichen Sekte lautet nicht, dass sie sich vom Fortschritt des Zeitgeistes entfernt, sondern dass sie sich von der Mitte des Evangeliums entfernt.
Wenn man dagegen die kulturelle Entwicklung der Gegenwart zur Norm erklärt, wird jede christliche Gemeinschaft, die diesen Weg nicht mitmacht, automatisch zu einer „Sekte“ in diesem Sinne.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/neue-drohbotschaft-fuer-den-synodalen-weg-die-sektenkeule-16913786.html?GEPC=s9

Mailab: Wissenschaftler irren

Mailab erklärt den wissenschaftlichen Prozess in einem sehr guten, und dennoch kompakten Video.

Grundthese: Der Irrtum ist fester Bestandteil der wissenschaftlichen Arbeit und das soll auch so sein. Anders geht es nicht. Und trotzdem ist dieser Prozess – trotz seiner Schwächen, die auch sehr transparent erwähnt werden – unverzichtbar.

Aussprache zwischen Schirrmacher und Mette

Thomas Schirrmacher und Jürgen Mette haben sich über Schirrmachers Kritik am Buch „Die Evangelikalen“ ausgesprochen. Ein positives Beispiel für eine respektvolle Streitkultur, ohne dass Differenzen ausgeblendet werden. Es gibt noch Hoffnung …

https://www.thomasschirrmacher.info/blog/gemeinsame-erklaerung-von-juergen-mette-und-thomas-schirrmacher/

Zensur bei YouTube

Auf Twitter habe ich das gefunden:

Gibt man in YouTube Kommentaren irgendetwas mit den Schriftzeichen 五毛 ein, verschwindet der Kommentar nach ein paar Sekunden. Ich habe es selbst getestet.

五毛 ist der Name einer Internet Propaganda Abteilung der chinesischen Regierung.

Bei YouTube scheint ein Zensurfilter für China weltweit zu laufen.

EZW Materialheft „Der Dan-Brown-Code: Von Illuminaten, Freimaurern und inszenierten Verschwörungen“

Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungen stellt eines ihrer Materialhefte kostenlos zur Verfügung, die Ausgabe 207 von 2010 mit dem Titel „Der Dan-Brown-Code: Von Illuminaten, Freimaurern und inszenierten Verschwörungen“.

Natürlich ist es kein Zufall, dass dieses Heft gerade jetzt zur Verfügung gestellt wird, blühen durch die Corona-Krise die Verschwörungstheorien wie Unkraut aus dem Boden.

Alleine der Artikel „Eine kleine Soziologie der Verschwörungstheorie“ Von Christian Ruch ist Goldwert. Dort erklärt der Autor mit knappen Worten, was Menschen dazu treibt, Verschwörungstheorien zu glauben und wie man diesen Menschen angemessen begegnen kann.

Einige Zitate aus dem Artikel:

Genau an diesem Punkt setzen Verschwörungstheorien an. Sie funktionieren in erster Linie als Erklärungsversuche, indem ein schwer verständliches, undurchschaubares Geschehen dadurch verständlich gemacht werden soll, dass man Schuldige ausfindig macht und sie benennt – im erwähnten Fall der Bankenkrise z. B. die Manager der Finanzinstitute oder irgendwelche Hedgefonds-Jongleure. Soziologisch gesprochen könnte man Verschwörungstheorien also als ein Verfahren zur Komplexitätsreduktion bezeichnen – oder anders gesagt: Man redet sich die eigentlich sehr komplizierten Verhältnisse einfach, indem man sich einen Sündenbock sucht.

Und als zweiter Faktor:

Verschwörungstheorien machen damit nichts anderes als Kontingenz zu negieren. Was ist damit gemeint? „Kontingenz“ ist neben „Komplexität“ der zweite Schlüssel- begriff der soziologischen Analyse unserer Gegenwart. Niklas Luhmann definierte Kontingenz als „etwas, was weder notwendig ist noch unmöglich ist; was also so, wie es ist (war, sein wird), sein kann, aber auch anders möglich ist. Der Begriff bezeich- net mithin Gegebenes (zu Erfahrendes, Erwartetes, Gedachtes, Phantasiertes) im Hin- blick auf mögliches Anderssein; er bezeichnet Gegenstände im Horizont möglicher Abwandlungen.“ … Festzuhalten bleibt jedenfalls, dass auch Kontingenz schwer erträglich ist, und so strebt der Mensch nicht nur nach Komplexitäts-, sondern auch nach Kontingenzreduktion – dies schon deshalb, weil das Leben von hoch kontingenten Faktoren mitbestimmt wird, die sich dem eigenen Einfluss entziehen und gerade deshalb so nur schwer akzeptiert werden können: Ob ich beispielsweise gesund bleibe, ist nur ganz begrenzt von mir und meinem eigenen Handeln beeinflussbar, denn es hängt von kontingenten Vorgängen in meinem Körper und im Falle einer Krankheit ebenso vom kontingenten Handeln der Ärzte ab, die ja bekanntlich auch einmal einen schlechten Tag haben können.

Über den Umgang mit Menschen, die an solche Theorien glauben, schreibt er:

Dass man angesichts einer solch anschlussunfähigen, da autologischen Schließung nicht mehr diskutieren kann, versteht sich von selbst. Wer nämlich Indizien für eine Verschwörung sehen will, der findet sie auch – genauso wie ein eifersüchtiger Ehe- mann überall Indizien für die Untreue seiner Frau finden kann, wenn er sie nur finden will. „Daher kann niemand auch wirklich verrückte Verschwörungstheorien widerlegen, denn sie alle haben eine seltsame Schleife in ihrer Konstruktion: Jeder Beweis gegen sie funktioniert nämlich gleichzeitig als Beweis für sie, wenn man die Dinge so sehen will. Daher überlebt die Pop-Dämonologie der Verschwörungstheorie jede Kritik, genau wie ihre Cousine, die Theologie“, schrieb der amerikanische Verschwörungsexperte Robert Anton Wilson. Argumentativ gegen Verschwörungstheorien anzukommen ist also meistens ein ziemlich schwieriges Unterfangen.