📺 Gauck bei Lanz: Den Begriff rechts „entgiften“

Altbundespräsident Gauck war bei Markus Lanz zu Besuch. Ich habe mir das Video vom Gespräch noch nicht angeschaut. Aber dem, was im Text zitiert wurde, kann ich uneingeschränkt zustimmen.

Vor allem diese Aussage verdient in unserer polarisierten Zeit großes Gewicht:

Toleranz bedeutet für Gauck, Menschen mit unmöglichen Auffassungen zu akzeptieren, solange diese nicht strafbar seien. „Es gibt Dinge, die sind widerlich“, sagt Gauck. „Aber wenn es noch nicht gegen das Grundgesetz ist, dann hat es das Recht zu existieren.“ Krude Ansichten reichten nicht aus, um Menschen „vom Spielfeld zu verweisen“. Dem solle die Gesellschaft mit einer „kämpferischen Toleranz“ antworten.

➡️ FAZ: Gudrun Krämer – „Muslime brauchen keinen Martin Luther“

Ein sehr interessantes Interview mit Gudrun Krämer in der FAZ. Zwei Passagen fand ich besonders interessant:

Aber bedeutet eine Wertschätzung der Scharia nicht zugleich auch eine Geringschätzung weltlicher Gesetze? Wenn Muslime angeben, dass im Konfliktfall das göttliche Gesetz über dem staatlichen Gesetz stehen soll, sagen sie meines Erachtens nichts anderes als Christen, die im Zweifelsfall das Gebot Jesu Christi über eine staatliche Rechtsordnung stellen. Die Bekennende Kirche hat danach geurteilt und gelebt, unter diktatorischen Vorzeichen. Das Kirchenasyl kann auch in einem demokratischen System in Konflikt zur staatlichen Rechtsordnung treten. Ich kann ein solches Argument nicht in Bausch und Bogen verurteilen und apodiktisch staatliches Gesetz höher bewerten als alle anderen Bezüge. Wie sonst könnte ich den Widerstand gegen staatliches Unrecht rechtfertigen?

und:

Gibt es ein Land, in dem Sie ein islamisches Modell positiv verwirklicht sehen?Muslime können derzeit nicht mit einem funktionierenden islamischen Alternativmodell aufwarten. Saudi-Arabien und Iran zum Beispiel können vielleicht einen Teil der eigenen Bevölkerung überzeugen, aber jenseits ihrer Grenzen finden sie wenig Bewunderung. Wenn der Islam also die Lösung sein soll, wie lange eine islamistische Losung lautete, steht der Nachweis noch aus.

➡️ World of VNC

VNC steht für „Virtual Network Computing“ und ist eine Software, die den Fernzugriff auf Computer ermöglicht. Über VNC kann ich einen anderen Rechner komplett steuern, als säße ich davor. Das funktioniert über lokale Netze, als auch über das Internet, wenn man alles richtig eingestellt hat.Komplette Fernsteuerung eines Rechners klingt wie etwas, womit man sehr vorsichtig umgehen sollte. Erst Recht sollte man darauf achten, dass niemand Fremdes Zugriff auf meine Freigabe erhält.Auf der Seite World of VNC kann man sehen, was passiert, wenn Computer-Administratoren das vergessen haben. Jemand hat sich die Mühe gemacht, im Internet nach komplett ungesicherten VNC Verbindungen Ausschau zu halten. Das Ergebnis hat er in Screenshots festgehalten.

➡️ One Nation under Socialism

Ron Kubsch zitiert aus einem Artikel der FAZ, in der es darum geht, dass China alle Religionsgemeinschaften auf die sozialistische Ideologie verpflichten möchte.

Die Religionsgemeinschaften müssten den Sozialismus mit chinesischen Charakteristiken unterstützen, sagte Xi Jinping. Dazu sollten sie ihre Lehrsätze so interpretieren, dass sie Chinas Fortschritt dienten und mit der nationalen Kultur in Einklang stünden.

Im römischen Reich war der Kaiserkult des verbindende Element einer sehr bunten und pluralen Gesellschaft. In China ist es die sozialistische Ideologie.Je stärker der Zuwachs der Christen im römischen Reich wurde, umso stärker forderte man die Unterwerfung der Christen unter den Kaiserkult. Wie das damals ausging, sehen wir in der Kirchengeschichte.

➡️ Ehrmann vs Bauckham über die Zuverlässigkeit der Evangelien

Barth Ehrmann und Richard Bauckham diskutieren auf „Unbelievable?“ über die Zuverlässigkeit der Evangelien. Das erstreckt sich insgesamt über zwei Teile (Teil 1 / Teil 2). Es ist eine sehr lebhafte Debatte. Ehrmann geht dabei etwas aggressiver zur Sache, wie er halt so debattiert. Man spürt förmlich, wie nur britische Zurückhaltung Bauckham stellenweise ruhig bleiben lässt, obwohl er gerne deutlicher kontra geben würde 🙂

➡️ Evolution ist keine bloße „Theorie“

Ein Argument, das viele liebe Mitchristen gegen die Evolutionstheorie anführen, lautet: Es handelt sich dabei um eine bloße Theorie.

Der Gedanke dahinter geht dabei in die Richtung: Es handelt sich dabei um eine Vermutung, die noch nicht gesichert ist. Dementsprechend sollte sie auch nicht als eine gesicherte Erkenntnis im Unterricht etc. vermittelt werden.

Sean McDowell von der BIOLA University greift diese Argumentation auf und legt ihre Schwächen offen: Why evolution is not just a theory.

Als Professor für Apologetik in BIOLA steht McDowell dabei nicht in der Gefahr, ein Anhänger der Evolutionstheorie zu sein. Aber er plädiert dafür, sauber zu argumentieren und zu wissen, worüber man da eigentlich redet:

My point in this blog is not to discuss the merits of evolution. Rather, my point is that evolution should not be dismissed simply because its called a theory. Such a move is shallow and misguided. Many other scientific theories often have considerable support (e.g., consider the general and special “theories” of relativity)

Ich kann ihm da nur beipflichten. Wenn wir gegen die Evolutionstheorie argumentieren, dann sollten wir auch wissen, wovon wir eigentlich reden. Schlechte Argumente schaden uns nur selbst und beschädigen unsere Glaubwürdigkeit.