➡️ Ehrmann vs Bauckham über die Zuverlässigkeit der Evangelien

Barth Ehrmann und Richard Bauckham diskutieren auf „Unbelievable?“ über die Zuverlässigkeit der Evangelien. Das erstreckt sich insgesamt über zwei Teile (Teil 1 / Teil 2). Es ist eine sehr lebhafte Debatte. Ehrmann geht dabei etwas aggressiver zur Sache, wie er halt so debattiert. Man spürt förmlich, wie nur britische Zurückhaltung Bauckham stellenweise ruhig bleiben lässt, obwohl er gerne deutlicher kontra geben würde 🙂

Bibelversschubserei

Seit dem ich diesen Blog gestartet habe, bin ich wieder vermehrt bei Facebook und Twitter unterwegs. Wenn man dabei in christlichen Kreisen verkehrt, kommt man um die obligatorischen „Verse des Tages“ nicht herum, die von ganz vielen gepostet werden.

Ich muss ehrlich zugeben: Mich ärgert das oft!

Damit kein Missverständnis entsteht: Ich liebe die Bibel. Aus diesem Grund habe ich Theologie studiert und aus diesem Grund bin ich im hauptamtlichen Dienst unterwegs.

Genau aus diesem Grund aber stören mich diese Verszitate manchmal ziemlich.

Die Bibel ist nicht als Steinbruch für einzelne Verse geschrieben worden. Bis ins 16. Jhrd. gab es nicht einmal eine Verseinteilung. Die meisten Passagen der Bibel sind in einen größeren Kontext hineingestellt, zu dem sie etwas beitragen und der wiederum nötig ist, um diesen einzelnen Abschnitt genauer zu verstehen.

Es gibt natürlich Ausnahmen, wie z.B. die Sprüche, die tatsächlich eigenständig stehende Sätze autonom – also ohne den Kontext – zu verstehen sind.

Ein Vorwurf an Evangelikale lautet manchmal, dass wir dazu neigen, mit Bibelstellen um uns zu schmeißen, ohne den größeren Zusammenhang zu beachten. Unreflektierte Wiedergabe von Versen ohne ihren Zusammenhang bestätigt und unterstützt diesen Eindruck leider.

Ich spreche mich nicht dafür aus, komplett darauf zu verzichten, einzelne Verse hier und da zu posten und weiterzugeben. Aber es sollte mit Vorsicht geschehen und die Bibelstelle sollte die Möglichkeit hergeben, auch ohne den Kontext angemessen verstanden zu werden, erst Recht bei einer großen und vielfältigen Öffentlichkeit wie bei Twitter und Facebook.

Böhmerrang

Der Fall Böhmermann bewegt momentan die Medien und viele Bürger. Normalerweise ist das ein Umstand, über den Böhmermann erfreut sein dürfte. Darauf ist sein mediales Schaffen eigentlich ausgelegt, Aufmerksamkeit zu erzeugen und die Inhalte des Medienbetriebs mit festzulegen.

In diesem Fall dürfte die Sache wahrscheinlich etwas anders aussehen. Denn sein letzter medialer Coup könnte ihm zum Mühlstein werden. Nach seinem Beitrag über Erdogan, der nach kurzer Zeit vom ZDF offline genommen worden ist, droht im juristischer Ärger aus der Türkei. Der türkische Präsident Erdogan hat Strafanzeige gestellt. Im schlimmsten Fall drohen Böhmermann bis zu drei Jahre Haft für Beleidigung eines ausländischen Staatsmannes.

Damit steht die Regierung vor einer kniffligen Situation. Sie hat darüber zu entscheiden, ob sie die Klage Erdogans wirksam werden lässt. Tut sie es nicht, dann riskiert sie diplomatische Verwerfungen mit der Türkei – was sich negativ auf die Bestrebungen auswirken dürfte, eine stabile Lösung in der Flüchtlingsfrage zu finden.
Lässt sie die Klage zu, dann landet Böhmermann im schlimmsten Fall im Gefängnis. Für die türkische Regierung wäre das ein Triumph über die scheinbar grenzenlose Pressefreiheit der westlichen Welt, der sicherlich auch propagandistisch ausgeschlachtet werden würde.

Ich bin kein Rechtsexperte. Aber ich denke, die Regierung sollte das Risiko eingehen und die Klage an die Gerichte weiterreichen. Entweder hat Böhmermann in den Grenzen der Satirefreiheit gearbeitet, dann sollte er freigesprochen werden, egal welche Konsequenzen das in der Außenpolitik mit sich bringt. Und auch unabhängig davon, ob man seinen Beitrag geschmacklos findet oder nicht.

Hat er die Grenzen der Satirefreiheit überschritten, dann gehört das bestraft, auch wieder unabhängig von den Konsequenzen, die das mit sich bringen könnte. Das ist aus meiner Sicht die Logik einer freien und unabhängigen Justiz. Sie betrachtet die Sache selbst und prüft sie am Gesetz, ohne Einfluss von äußeren Umständen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Böhmermann sich vorstellen konnte, dass sein Beitrag so hohe Wellen schlagen würde. Auch wenn ich fest davon überzeugt bin, dass er auf einen sehr hohen Wellengang spekuliert hat. Sollte es zu einem Schuldspruch kommen, wäre das menschlich ein herber Schlag, unabhängig davon, was man über Böhmermann selbst denkt.

Ich bin auf die Antwort der Regierung sehr gespannt.

➡️ Evolution ist keine bloße „Theorie“

Ein Argument, das viele liebe Mitchristen gegen die Evolutionstheorie anführen, lautet: Es handelt sich dabei um eine bloße Theorie.

Der Gedanke dahinter geht dabei in die Richtung: Es handelt sich dabei um eine Vermutung, die noch nicht gesichert ist. Dementsprechend sollte sie auch nicht als eine gesicherte Erkenntnis im Unterricht etc. vermittelt werden.

Sean McDowell von der BIOLA University greift diese Argumentation auf und legt ihre Schwächen offen: Why evolution is not just a theory.

Als Professor für Apologetik in BIOLA steht McDowell dabei nicht in der Gefahr, ein Anhänger der Evolutionstheorie zu sein. Aber er plädiert dafür, sauber zu argumentieren und zu wissen, worüber man da eigentlich redet:

My point in this blog is not to discuss the merits of evolution. Rather, my point is that evolution should not be dismissed simply because its called a theory. Such a move is shallow and misguided. Many other scientific theories often have considerable support (e.g., consider the general and special “theories” of relativity)

Ich kann ihm da nur beipflichten. Wenn wir gegen die Evolutionstheorie argumentieren, dann sollten wir auch wissen, wovon wir eigentlich reden. Schlechte Argumente schaden uns nur selbst und beschädigen unsere Glaubwürdigkeit.