Lutherbibel 2017

Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse ist die neue Lutherbibel 2017 erschienen. Man kann sie ganz herkömmlich als Buch in verschiedenen Ausgaben kaufen. Die EKD hat in einer ganz besonderen Aktion aber auch beschlossen, die Lutherbibel App während des Reformationsjubiläums kostenfrei anzubieten. Noch trüben ein paar Kinderkrankheiten die Freude. Aber für ein erstes Kennenlernen ist das eine gute Möglichkeit.

Jetzt müsste die Deutsche Bibelgesellschaft nur noch ihre anderen Bibel-Apps auf den neuesten Stand bringen. Teilweise sind die seit 3 Jahren nicht mehr aktualisiert worden. Gerade bei der BasisBibel ist das besonders schade, ist sie doch vor allem für die digitalen Medien konzipiert worden.

Abgeschossen

Meine (zahlreichen) Gespräche mit Protagonisten des Theaterstücks und des Films haben mir gezeigt, dass von 100 Personen, die im Zusammenhang mit Schirachs Terror über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts reden, 99 Komma 9 dieses Urteil nicht gelesen haben. Sie quatschen herum, weil es ihnen zu schwierig ist, sich mit der Sache zu befassen, die sie auf „einfache“ Weise dem breiten Publikum nahebringen wollen. Statt des in der öffentlichen Diskussion schon vor zehn Jahren erreichten Argumentationsniveaus legen sie also das Niveau zugrunde, das sie selbst innerhalb von zwei oder drei Tagen erreichen können. Sodann unternehmen sie es, dieses Niveau wiederum „herunterzubrechen“ auf das Niveau, das ihre „lieben Zuschauer“ und „lieben Leser“ angeblich allerhöchstens erreichen können. Wir sind damit auf dem Level der Schwarzwaldklinik angekommen. Wer das kritisiert, wird der „juristischen Spitzfindigkeit“ geziehen oder – schlimmer – der „Abgehobenheit“.

Und:

Der Film faselt zwar über „Schuld“ und „Unschuld“, meint und erklärt aber etwas anderes. Dass er die grundlegende Kategorie der (strafrechtlichen) Schuld nicht kennt, ist ein fachlicher und ein künstlerischer Skandal zugleich. Entweder weil der Autor sie selbst nicht verstanden hat (was schlimm genug wäre), oder weil er sie vorsätzlich verschweigen will (was noch schlimmer wäre). Der Text des Stücks und all die „Belehrungen“, die man den Zuschauern, auch im Film, angedeihen lässt, machen es noch schlimmer – hier wird wahrlich alles durcheinandergebracht, was nur geht: Ein einziges Desaster der Unkenntnis, und mittendrin der liebe Zuschauer, der nun aufgefordert ist, in einer „realen“ Rechtsfrage auf der Grundlage der „realen“ Rechtslage eine „Entscheidung über Schuld und Unschuld“ zu treffen.

Das ist die größtmögliche Verarschung des Publikums. Wer Unrecht und Schuld in eins setzt, fällt um Jahrhunderte (!) hinter unsere Rechtskultur zurück und benutzt seine Zuschauer als Gaudi-Gäste für eine Rechtsshow der billigen Sorte.

Ein kleiner Ausschnitt aus dem sehr langen Verriss des Films „Terror“, bei dem die Zuschauer am Ende darüber abstimmen durften, ob der angeklagte Pilot freigesprochen oder verurteilt werden sollte.

Thomas Fischer lässt in seiner Kolumne „Fischer im Recht“ kein gutes Haar an dem Film und dem zugrundeliegenden Theaterstück.

Sexuelle Gewalt im Geschlechtervergleich

Sehr interessante Analyse von Stephan Schleim auf Telepolis über das vermittelte Bild über sexuelle Gewalt in den Medien (Männer sind Täter, Frauen sind Opfer) und den statistisch erhobenen Zahlen, die ein anderes Bild liefern.

Nationale wie internationale Institutionen tun sehr viel dafür, Gewalt gegen Frauen zu thematisieren – und diese Entscheidungen haben weitreichende politische Konsequenzen.

Daran ist nichts verkehrt. Es ist lediglich verkehrt, die vielfach belegten Gewalterfahrungen von Männern zu tabuisieren und in repräsentativen Befragungen, Studien und Indikatoren noch nicht einmal zu erheben. Damit wird das falsche Signal an die Gesellschaft gesendet, dass es Gewalt gegen Männer entweder nicht gibt oder dass es sie zwar gibt, sie jedoch normal oder kein gesellschaftliches Problem ist.

Und:

Solche Indizien sowie das systematische Tabuisieren von Gewalt und insbesondere sexueller Gewalt gegen Männer durch die Medien und die Politik untermauern die Vermutung, dass Opfer mit zweierlei Maß gemessen werden, nämlich abhängig von ihrem Geschlecht. Medien haben aber einen Aufklärungsauftrag und öffentliche Institutionen sowie die Politik müssen die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz und die Gleichberechtigung berücksichtigen.

Nicht nur aus diesen prinzipiellen Gründen, sondern auch pragmatisch gesehen spricht vieles dafür, die Opfererfahrungen von Männern endlich ernst zu nehmen. Viele der Opfer werden nämlich selbst wieder zu Tätern: Es kommt zu einer Gewaltspirale. Wenn wir in einer friedlichen Welt für alle leben wollen, dann müssen wir endlich auch das Problem der Gewalt gegen Männer auf die wissenschaftliche, soziale und politische Agenda setzen.

➡️ EKD schockiert über Barmer Erklärung

„Die jeweils herrschende weltanschauliche Überzeugung ist für uns als EKD die Grundlage unserer Entscheidungen“, erklärte ein Sprecher. „Nehmen Sie beispielsweise unsere aktuelle Orientierungshilfe zum Thema Familie. Darin geht es von Anfang an nur um die derzeitigen gesellschaftlichen Gegebenheiten, ganz am Ende kommt ein wenig Theologie hinzu. Sollen wir das jetzt ernsthaft andersherum machen, nur weil ein paar Leute das vor 80 Jahren so beschlossen haben?“

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